Diäten im TestDie Karl-Lagerfeld-Diät

© Joule Gengelbach

Die Lehre? Das Spoonlight-Programm. Vom französischen Wunderarzt Dr. Houdret entwickelte -Pulver lassen keinen Hunger aufkommen, führen Proteine und Vitamine zu und verbrennen Fett.
Was darf man essen? Obst, Salat, Gemüse, Pepsi Max, Fisch, Geflügel, Kalbfleisch, Vollkornbrot, Magermilchprodukte
Wer macht es? Karl Lagerfeld und ich
Was soll es bringen? Einen radikalen Gewichtsverlust bei minimalem Verzicht auf Genuss

Ich muss verrückt sein. Ich ernähre mich normalerweise ausschließlich von Fleisch, Kartoffeln und Schokolade und trinke dazu Rotwein mit elegantem Abgang. Ich verzichte grundsätzlich auf Obst und Gemüse und bin wohl deshalb nie krank und immer idealgewichtig. Eine Diät ist eigentlich nichts für mich. Eigentlich. Denn Verrückte nehmen nicht ab wegen des Dickseins. Verrückte nehmen ab, weil sie höhere Ziele haben. Meines lautet: Ich möchte in diesem Sommer aussehen wie ein französischer Rockstar. Die sind alle dünn wie in Gemüsebrühe gedünsteter Spargel und tragen diese sehr schmal geschnittenen Hemden und Hosen. Karl Lagerfeld ist der Einzige, der das verstünde. Denn auch er hat nur abgenommen, um in seine neue Dior-Homme-Jeans zu passen. Grundlage seiner Diät, die er gemeinsam mit seinem Leibarzt Jean-Claude Houdret entwickelt hat, ist die Einnahme verschiedener Präparate des so genannten Spoonlight-Programms, die man bei Monsieur Houdret bestellen kann. „Oui, oui“, näselt Mademoiselle Geraldine am Telefon. „Naturellement können wir Ihnen helfen. Le Docteur wird Ihnen Monsieur Lagerfelds Pillen zuschicken!“ Zwei Tage später kommt Karls Kiste an. Auf Briefpapier mit geschwungenem Briefkopf bedankt sich Monsieur Houdret für mein Interesse und erklärt mir, wie ich die Präparate einnehmen soll. Morgens, mittags und abends muss ich insgesamt 16 Kapseln in diversen Schlammtönen schlucken. Es handelt sich um Vitaminpräparate, Appetithemmer und offenbar Fett absaugende Pülverchen. Alles ganz natürlich, wird versichert. Außerdem müsse man drei strenge Regeln befolgen. Keine Zwischenmahlzeiten. Nichts Süßes. Und: nicht jammern! Ein Kinderspiel für echte Rockstars wie mich.
An meinem ersten Tag mache ich morgens um acht im Supermarkt Bekanntschaft mit der Obstabteilung, die ich bisher nur als Abkürzung zur Fleischtheke genutzt habe. Mein Frühstück besteht ab sofort aus fünf Pillen, einer Scheibe getoastetem Vollkornbrot mit fettarmer Butter und einem Stück Frucht. Mittags gibt es Salat, abends eine warme Mahlzeit. Die Speisen sind hervorragend und schmecken alle wie ein Sommertag an der Côte d’Azur: leicht und frisch, gewürzt mit dem Duft provenzalischer Wälder vor einem Flächenbrand im August. Mein Favorit ist das Huhn mit Pesto-Oliven. Hervorragend schmeckt auch das Kalbsschnitzel an Rosmarinzweigen. Probleme gibt es lediglich am dritten Tag, als mir sautierter Kaninchenrücken empfohlen wird. Unauffindbar in meinem kleinen Supermarkt. Ich entscheide mich für gedünsteten Fisch und lerne, dass Gemüse gar nicht soo schlecht schmeckt. An Genuss mangelt es also nicht bei Karls Kalorienkiller.
An Sättigungsbeilagen schon. In den Phasen zwischen dem Essen knurrt mein Magen. Eine Woche lang. Schuld daran sind die Pillen. Manchmal muss ich – pardon – aufstoßen und rieche wie eine Tüte Paprikachips. Ich merke, dass ich zwar ohne weiteres Rotwein durch Karls Lieblingsgetränk Cola light ersetzen kann, Pralinen aber nicht durch Pampelmusen. Ununterbrochen überlege ich, vielleicht doch einen Schokoladenkeks zu essen. Merkt ja keiner, bis auf Olaf, mein Hund. Doch ich bleibe standhaft. Französische Rockstars brauchen keine Schokolade als Aufputschmittel. Aber ein Gurken-Tomaten-Brot würden sie sich auch nicht schmieren. Ich schon. Entwürdigend.
Dennoch: Die Qual lohnt sich. Innerhalb von sechs Tagen nehme ich 3,5 Kilo ab und erreiche frühzeitig mein Zielgewicht. Als Belohnung ziehe ich die Dior-Homme-Jeans an und lerne die Lieder der Gruppe Phoenix auswendig. Mit Schokolade kann ich mich leider nicht belohnen. Es ist keine im Haus. In der letzten Nacht meines Karl-Programms befolgte ich seinen Rat und deponierte ein Schokokonfekt auf dem Nachttisch, um zumindest dessen Geruch in der Nase zu haben – laut Karl kommt das dem Verzehr gleich. Das sah Olaf ganz anders. Unbemerkt futterte er die Packung leer. Zur Strafe werde ich ihn nicht auf meine Konzerttournee mitnehmen.
Marcus Luft

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Rohmann  |  09.11.2012 16:03
Wirklich damit beschäftigen
Nun, ich bin seit 3 Monaten Roh und ich habe alle anderen Ernährungsformen, und da gab es viel was ich probiert habe, weggeschmissen. Nichts auf der Welt ist so klug und würde die Erde und Menschen reinigen wie Rohkost. Schon allein dadurch, dass man kein Fleisch mehr ist. Aber wenn man noch bedenkt, welche Energieentlastung das zusätzlich bedeutet gibt es für mich nichts mehr anderes. Mein Zähne wachsen nach, ich habe wieder mein Idealgewicht wie vor 10 Jahren, ich bin alle Zivilisationskrankheiten wieder los und brauche die Hälfte Schlaf. Nun aber zu dem Artikel oben. Bitte wirklich beschäftigen mit dem Thema... wenn ich mich so ernähren würde wie Du oben beschreibst würde es mir nach ein paar Wochen wohl ziemlich mies gehen. Grüße Der Rohmann

Bine  |  13.10.2012 13:52
Jaja, ist klar...
"Ich verzichte grundsätzlich auf Obst und Gemüse und bin wohl deshalb nie krank und immer idealgewichtig." Da habe ich aufgehört, zu lesen...

AMICA Online Redaktion  |  07.05.2012 12:43
Präparate bestellen
Infos zu den Pillen gibt es direkt über das Team von Doctor Jean-Claude Houdret in Paris. T l : 01 47 27 27 33 - Fax : 01 47 27 31 08 - contact docteurhoudret.com

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