Körperkult extrem Die Mannorektiker

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Die Revolution kam schleichend. Eben noch dominierten die hiphoppenden Sixpacks in knieumspielenden Baggy-Beuteln, jetzt sieht man allüberall nur noch Spackenbands: verhungerte Jungs mit konkaven Brustkörben wie Franz Ferdinand, die Strokes, die Libertines, Phoenix und die Mooney Suzuki, im Look schwer an den jungen Bowie und die späten Ramones angelehnt, aber mit diesem Blick, der dir sagt: Koch mir eine Suppe und kauf hinterher meine Platte. Amerikanische Lifestyle-Päpste haben den „manorexic“ zum Nachfolger des Metrosexuellen gekürt, in Internetforen wie „Closecutcult“ posieren dünne Jungs stolz in ihren Prada-Anzügen und posten Einträge wie „Was einst als androgyn galt, wird die neue Männlichkeit sein“. Gott steh uns bei.

Wie begann das alles eigentlich? Mit den 42 Kilo minus von Karl Lagerfeld, der sich letztens auf H&M-Plakaten hinter seinem Model verstecken konnte? „Seitdem ich es mir erlauben kann, die kleinste Größe von Dior zu tragen“, lässt er subtil in Interviews fallen, „hassen mich alle Männer. Wenn sie neben mir stehen, wollen sie mich am liebsten umbringen, weil sie sich schlaff und ungepflegt fühlen.“ Karl! Bei aller Liebe! Dann fügt das Biest noch an, dass er eigentlich ein „sehr netter, bodenständiger Mensch“ sei, „aber ich sehe halt nicht so aus. Gott sei Dank.“ Mit einem hat er jedenfalls Recht: Wenn man in die Mode von Dior Homme, Raf Simons, Helmut Lang, Burberry Prorsum oder Miu Miu passen will, muss man einen BMI unter 20 haben, und das gilt vor allem für Models. „Solche Jungs fotografieren sich einfach besser“, sagt Jan-Eric Luetjen von der Modelagentur Place. „Die haben so was Mittelalterliches, Biblisches, wenn die Wangenknochen herauskommen.“
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