Schlemmen als Expertenrat„Die Weihnachtsgans allein macht nicht dick“

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Schlank durch die Feiertage oder Schlemmen ohne schlechtes Gewissen? Mageres Putensteak oder fette Weihnachtsgans? Da scheiden sich die Geister der Ernährungsberater. Tipps zum Abnehmen und um kalorienarm über die Weihnachtsfeiertage zu kommen, finden sich mindestens so viele wie Plätzchensorten.

Für Dr. Detlef Pape gibt es keine „verbotenen Lebensmittel“. Dennoch empfiehlt der „Schlank im Schlaf“-Papst: „Advents- und Weihnachtsgebäck wie Baumkuchen, Spekulatius oder gar Christstollen werden oft mit viel (Butter-)Fett gebacken, daher zum Frühstück und Mittag nur zwei Mal 50-Gramm-Portionen essen“, sagte Diät-Tipps von Dr. Pape - Schlank schlemmen im Herbst mit Eiweiß-Kost. „Auch bei Ente und Gans sollten Sie etwas vorsichtiger sein.“ Der Personal Trainer Harley Pasternak, dem die Stars ihre schlanken Figuren anvertrauen, setzt in seiner Die Star-Diät 5 Faktor - Hollywoods Fitness-Guru verrät seine Schlank-Tricks unter anderem auf eiweißreiche Kost, einen genau ausgeklügelten Ernährungsplan folgen Abnehmwillige bei der Related content.

Die Ratschläge auf die Weihnachtsgans zu verzichten, „können Sie getrost ignorieren“, sagt dagegen Uwe Knop, „denn dick wird man höchstens zwischen Neujahr und Weihnachten, aber sicher nicht während der Festtage zum besinnlichen Jahresausklang.“ Vielmehr rät der Ernährungswissenschaftler die Festtagsgenüsse ausgiebig zu genießen und sich nicht verrückt machen zu lassen. Denn so der Diätgegner: „Die Weihnachtsgans ist am Übergewicht völlig unschuldig – weil generell gilt: Einzelne Lebensmittel als dickmachende Buhmänner abzustempeln, das ist wissenschaftlicher Nonsens.“

Für Übergewicht ließen sich tatsächlich nicht einzelne Aspekte verantwortlich machen. Mindestens 15 verschiedene Faktoren seien als Ursprung zu sehen: „Dazu gehören insbesondere das Erbgut, das zu 70 bis 80 Prozent unser Körpergewicht bestimmt sowie Emotional Eating nämlich Essen aus Frust, Kummer oder Stress und Schlafmangel – oder die soziale Schicht, die Herkunft und das Bildungsniveau. Darüber hinaus können auch Krankheiten wie Schilddrüsenunterfunktion oder Medikamente wie Antidepressiva oder Betablocker zu Fetteinlagerung führen.“

Als Diplom-Ökotrophologe analysierte Knop für sein Buch „Hunger & Lust – Das erste Buch zur Kulinarischen Körperintelligenz“ mehr als 400 aktuelle Studienergebnisse der letzten sechs Jahre (2007–12) und kommt zur Erkenntnis: „Kein gesunder Mensch braucht Ernährungswissenschaft – denn Ernährungsempfehlungen entspringen vorwiegend der Fantasie findiger Statistiker. Beweise sucht man hingegen vergeblich, da Ernährungsstudien diese nicht liefern können. Für unser Essverhalten zählt daher nur eines: volles Vertrauen in die eigenen Körpergefühle Hunger und Lust.“

Ähnlich sieht das Dr. Gunter Frank. Der Allgemeinmediziner aus Heidelberg engagiert sich als Vorstand des Europäischen Instituts für Lebensmittel- und Ernährungswissenschaften e.V. gegen Gesundheitsmythen rund ums Schlanksein. Seiner Meinung nach bringen Diäten nichts, „weil sie machtlos gegen die Gene sind, die das Gewicht hauptsächlich definieren“, sagte der Interview mit Dr. Gunter Frank - „Diäten sind machtlos gegen die Gene“ und ergänzte: „Das subkutane Fettgebewebe, also das unter der Haut, ist genetisch definiert. Das Bauchfett nicht. Durch dieses erlangen fettleibige Menschen ihr ‚Kampfgewicht‘.“ Um gegen dieses anzukämpfen spiele vor allem Stressreduzierung eine große Rolle.

Besonders kritisch sieht Frank die „Schlank im Schlaf“-Methode: „Wenn mir zum Beispiel mein Kollege Herr Dr. Pape in Talkshows erklären will, dass seine Diätansatz wirklich langfristig wirkt, dann verlange ich von ihm Daten. Seine Patientenakten hat er aber nicht analysieren lassen. Ich würde gerne wissen, wie viel die Menschen nach zehn Jahren wiegen. Es gibt bisher keine anerkannte Methode, mit der man dauerhaft abnehmen kann.“

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Dem stimmt sein Kollege zu. „Empfehlungen zu gesunder Ernährung und der Glaube an den Weihnachtsmann haben eines gemeinsam: Beide basieren nicht auf wissenschaftlich gesicherten Erkenntnissen, sondern auf Vermutungen, Überlieferungen und Wünschen“, so Knop. In diesem Sinne rät der Ernährungswissenschaftler zum Schlemmen ohne schlechtes Gewissen: „Warnung vor dickmachenden Weihnachtsgenüssen ist nichts weiter als ideologisch geprägte Missionierung von Ernährungsaposteln, die noch immer an die Existenz ungesunder Lebensmittel glauben.“

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