Leiden für die Schönheit Alle Nasen gleich
© Taschen /Schönheitschirurgie
sehen aus wie geklont“, hat Angelika Taschen beobachtet. „Die angesagten Chirurgen machen allen die gleichen Nasen, die gleichen Brüste.“
| Jede fünfte plastische Operation bei Jugendlichen muss korrigiert oder wiederholt werden, weil der Körper noch wächst. Merkwürdig nur, dass die Ärzte, von denen die 33 besten für Taschens Buch interviewt wurden, alle von „minimal dosierten Eingriffen“ reden, die „nur die natürliche Schönheit unterstützen“, und unisono ein Klischee bemühen: Wahre Schönheit komme nun mal von innen. Die Mehrheit würde niemals Eingriffe an sich selbst vornehmen lassen. Alle erzählen viel von Lebendigkeit und Vitalität, die sie an Frauen sexy finden, und verschweigen, dass Botox all das aus den Gesichtern vertreiben kann: Das Nervengift glättet zwar Falten, doch es legt auch die Mimik lahm. Aber zugegeben: Operierte Frauen sehen auf den ersten Blick oft besser aus. Etwa wenn sie dank einer Schlupflider-OP wieder aus den Augen sehen können. Doch wenn man auf den zweiten Blick sieht, dass die Mimik nur mit Verspätung funktioniert, dass eine Frau weniger Falten hat als ihre 20 Jahre jüngere Tochter und sie aussieht, als wäre ihre Gesichtshaut zu eng geworden, wirkt es plötzlich nicht mehr schön. Eine Frage bleibt: Kann jemand, der sich so gewaltsam mit dem eigenen Aussehen beschäftigt, wirklich noch schön sein? Schönheit lebt ja auch zum großen Teil von der Anmut und Eleganz der Unbewusstheit. „So lange wie möglich fit und attraktiv zu bleiben ist eine Aufgabe, die eigentlich keine Zeit mehr lässt, Reife und Klugheit zu entwickeln“, findet Angelika Taschen. Sie würde sich nie operieren lassen: „Ich habe panische Angst davor.“ Die entscheidende Frage ist: Was ist eigentlich der Vorteil dabei, immer attraktiver zu werden? Schöne Frauen haben nicht mehr oder besseren Sex, bestätigen die befragten Ärzte. Und irgendwo gibt es immer eine, die noch besser aussieht. Was dann? Sie erschlagen? Oder, wie Schneewittchen, in den Wald verschleppen lassen? Wenn es so weitergeht, werden „die Echten“ bald in der Minderheit sein. Dann, hofft Angelika Taschen, setzt die Gegenbewegung ein. „Ungeliftete Frauen haben eine ehrlichere Lebenshaltung und eine ganz andere Ausstrahlung. Irgendwann werden sie total im Kommen sein “, sagt sie. „Darauf baue ich.“ |
Angelika Taschen (Hrsg): „Schönheitschirurgie“, 440 Seiten, Taschen Verlag, 39,90 Euro
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