Sinnloses Hungern„Eine athletische Frau wird nie eine Thigh Gap haben“

© AFP
Auch sie ist eine Ikone der Thigh-Gap-Szene: Model Miranda Kerr.
Unzählige Mädchen hungern, um dem Thigh-Gap-Ideal zu entsprechen. Das ist nicht nur ungesund, sondern in Sachen Beinlücke  – paradoxerweise – auch ziemlich sinnlos. „Diese Mädchen unterziehen sich extremen Hungerkuren, obwohl sie schon klapperdürr sind. Dabei bringt das in vielen Fällen rein gar nichts“, erklärt der plastische Chirurg Edgar Biemer gegenüber AMICA Online. „Die Größe der Beinlücke hat mit der Anatomie, den Muskeln und dem Knochenbau zu tun. Eine athletische Frau mit vielen Muskeln wird nie eine Thigh Gap haben.“ Im Umkehrschluss heißt das, dass auch eine gesunde, normalgewichtige Frau sehr wohl eine Beinlücke haben kann - einfach von Natur aus und ganz ohne hungern.

Selbst eine Fettabsaugung an dieser Stelle ist eine komplizierte Angelegenheit. „Dort verlaufen wichtige Gefäße und Nerven und man muss beim Absaugen sehr vorsichtig sein“, erklärt Biemer.  „Außerdem ist das Gewebe an der Oberschenkelinnenseite ohnehin eher locker und die Rückbildungsfähigkeit nicht so gut. Wenn man da drei bis vier Zentimeter absaugt, können sich Falten bilden.“ Eine faltige, dürre Beinlücke – keine schöne Vorstellung. Trotzdem bekommt die Thigh-Gap langsam auch in Deutschland mehr und mehr Anhänger. Auch in Biemers Praxis kamen schon ein, zwei Patientinnen mit dem ungewöhnlichen Wunsch. „Ich habe zuerst gar nicht so recht verstanden, was die überhaupt von mir wollen. Aber ich bekomme in den Gesprächen mit meinen jungen Praxishelferinnen mit, dass es da einen Trend in diese Richtung gibt“, erzählt der Chirurg. „Eine Patientin hatte sogar einen Zeitungsartikel dabei, in dem vier Models  abgebildet waren. Das ist ein sehr junger Patientenkreis, der sich stark von Promis und Models beeinflussen lässt.“

Thigh Gap? Der neue mager-Hype kommt für diese Schönheiten nicht infrage. Sie überzeugen lieber mit weiblichen Rundungen.Und wie stehen diese Models dazu, wenn sie junge Mädchen immer mehr zu radikalen Hungerkuren animieren? Cara Delevingne scheint damit keine Probleme zu haben. Die Twitter-Aktivitäten ihrer Beinlücke jedenfalls verfolgt sie regelmäßig. Der britischen „Grazia“ sagte sie: „Ich denke 'CarasThighGap' ist ziemlich witzig. Das wird auch von wirklich netten Mädchen betrieben. Das sind einfach süße Fans.“ Süße Fans, die vielleicht mal einen Twitter-Account für die runden Oberschenkel von Beyoncé oder Rihanna einrichten sollten. Das wäre zwar nicht weniger verrückt, aber trotzdem irgendwie gesünder.

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„Eine athletische Frau wird nie eine Thigh Gap haben“