Lebende PuppenDie verführerische Paarung von Niedlichkeit und Erotik

© Facebook / Valeria Lukyanova
So posierte Valeria Lukyanova für das „V“-Magazin

Um ihrem Vorbild zu entsprechen widmet Valeria all ihre Aufmerksamkeit ihrem Barbie-Image, nimmt laut Aussagen auf ihrer Internetseite nur flüssige Nahrung zu sich. Ihr Ziel ist es offenbar sich in Zukunft sogar nur noch von „seelischer Materie“ zu ernähren. Zu ihrem Tagesablauf verriet sie: „Ich meditiere und reise in meinen Astralkörper, danach trainiere ich im Fitnessstudio“, so Valeria Lukyanova in „V“. Bis sie in dem Hochglanzmagazin landete, perfektionierte sie in den vergangenen zehn Jahren ihren Look.

Ab 2007/2008 ist Valeria Lukyanova sehr bekannt geworden. Sie ist verheiratet, ihr Mann ein Topmanager einer Baufirma in Odessa. Kinder hat sie keine, da sie mit ihnen nie wirklich etwas anfangen konnte. Überhaupt fällt auf den zahlreichen Bildern, mit denen die Barbie-Frau ihre Fans beglückt, eines auf: Sie lacht nie. Sie erklärt es damit, dass Emotionen schlecht seien und sie sich von ihnen losgesagt habe. In der Hülle der Puppe steckt neben einer ausgebildeten Sängerin und Architekturstudentin eigentlich eine Esoterikerin – sie bietet beispielsweise Seminare in Moskau an. Themen: „Wie finde ich heraus, was ich will? Wie erreiche ich meine Ziele?“ So möchte sie ihren Erfolg weitergeben.

Mit ihrem „Puppenzwilling“ Olga Oleynik will sie sich nun aufmachen die USA zu erobern. Ihr erstes Aufeinandertreffen mit Traummann Ken in New York allerdings führte direkt zum Zoff mit plastischen Beschimpfungen. So aktiv, wie Lukyanova auf Facebook zwar Bilder von sich und ihrem Barbie-Körper postet und um „Gefällt mir“-Klicks buhlt, so passiv hat sie sich auf die Interview-Anfrage von AMICA Online verhalten und nicht reagiert.

© Instagram/ Valeria Lukyanova
Formvollendet geschminkt präsentiert sich Valeria Lukyanova auf Instagram mit ihrem Barbie-Vorbild.

Dass den Puppenfrauen wie Anastasiya Shpagina, Venus Palermo alias Venus Angelic (137 000 Abonnenten auf Youtube) oder Valeria Lukyanova der kritische Spiegel vorgehalten wird, bleibt im Internet naturgemäß nicht aus. „Alles Fake“ – werfen Hasser Lukyanova vor. Dass ihre Oberweite operiert ist, gibt die Ukrainerin zwar zu, nicht aber die zwei Rippen, die sie sich angeblich entfernen ließ, um die Maße von 86-42-86 zu erreichen. Auch bei ihrer Größe hätte sie geschummelt. Statt 1,75 Meter sei sie in Wahrheit 1,65 Meter groß. Die Anfeindungen gingen so weit, dass sich Lukyanova in einem Video an ihre Kritiker wandte: „Mich interessieren Eure Meinungen überhaupt nicht, kommt wieder auf die Erde zurück.“ Dabei sieht sie sich selbst nicht als von dieser Welt. Auf ihrer Internetseite hat sie eine eigene Rubrik mit dem Titel „Ufo“.

Warum sind Menschen von dieser künstlichen Schönheit und Puppen fasziniert? „Bei den asiatischen Mangafiguren, genauso wie bei Barbie, wird der Betreuungsappell aus dem Kindchenschema mit Sexualität gemischt“, erklärt Professor Grammer die Faszination für die Puppenfrauen. „Solche Ausnahmen fallen unserem Gehirn auf, weil es Ausnahmen liebt. Unser Gehirn liebt zwar Extreme, tendiert aber dazu sie zu vermeiden. Das heißt in der tatsächlichen Entscheidung bevorzugen wir den Durchschnitt.“ Insofern sieht er vor allem einen Nachteil: „Jemand, der wie Barbie das Kindchenschema erfüllt, wird gleichzeitig als kindisch betrachtet. Das ist für die Partnersuche schwierig, weil so jemand für die Reproduktion ungeeignet ist.“

© Facebook/ Anastasiya Shpagina
Anastasiya Shpagina schlüpft zu den großen Kulleraugen gerne in den Schulmädchen-Look.

Diese Vermischung von niedlichen und erotischen Aspekten finden die AnyBody-Gründerinnen ebenfalls schwierig. Ist das nicht eigentlich ein Widerspruch? „In gewisser Weise ja. In der aktuellen Erotikbranche trifft beides aber durchaus aufeinander und kindliche Aspekte werden erwachsenen Frauen zugeschrieben. Angefangen vom Schulmädchen-Look bis hin zum Knutschmund, den Frauen machen, wenn sie in die Kamera schauen“, beobachtet Alena Thiem kritisch. Überdies verurteilt sie die Illusion, die die Puppenfrauen darstellen. „Wir glauben, dass Frauen wie Valeria und Anastasiya eine Form von Perfektion präsentieren. So spiegelt sich der heutige Drang nach Leistung in diesem Lebensbereich wider“, sagt Thiem. „Außerdem verkörpern sie das Bild einer modernen Märchenprinzessin – ein Traum, den viele Frauen in ihrem Leben einmal geträumt haben. Mit den Schminkvideos auf Youtube machen sie den Traum erreichbar.“

Christiane Secker hat zu Anastasiya eine andere Erklärung jenseits von Schönheitsidealen parat: „Sie ist, so wie sie ist, mit sich zufrieden. Darum geht es letzten Endes in der Schönheit. Das strahlt sie aus. Dadurch ist ihr reiner und feenartiger Look so besonders und das fasziniert die Menschen.“

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Die verführerische Paarung von Niedlichkeit und Erotik