Lebende PuppenWenn Frauen zu künstlichen Schönheiten werden

von AMICA Online Redakteurin J'adore les Parisiennes!
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Die Looks von Valeria Lukyanova
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Sie sind Phänomene im Netz: Puppenfrauen – à la Barbie im westlichen Stil oder Anime im asiatischen Look. Valeria Lukyanovas Community-Seite hat mehr als 770 000 Facebook-Fans. Sie hat sich durch zahlreiche Schönheitsoperationen und aufwendige Schminkkünste in eine lebendige Barbie verwandelt und zelebriert ihren Style auf der Social-Media-Plattform. Ihr Pendant Anastasiya Shpagina (mit mehr als 82 000 Fans) mimt die japanische Manga-Ikone Sailor Moon.

Extra schmale Taille und große Brüste für die Barbie, Schulmädchen-Outfits für die Anime – doch was verbindet die beiden Ukrainerinnen? Große Kulleraugen, Porzellanhaut und puppenartige Gesichtszüge. Für diese verbringen die jungen Frauen täglich Stunden im Bad.

Damit begeistern die beiden nicht nur Tausende von Fans weltweit, sondern haben mit ihrer künstlichen Schönheit inzwischen echte Jobs abgesahnt. Anastasiya wurde das Gesicht einer Kosmetikmarke. Für das deutsche Unternehmen Yoida kreierte das Manga-Mädchen sogar ihre eigene Make-up-Linie. So schmückt sich die Marke mit den Etiketten jung, frech und trendig.

Märchenhafte Beauty
Anastasiya Shpagina, Yoida

„Yoida ist eine Beautymarke mit Glamourfaktor für eine junge, trendorientierte Zielgruppe. Anastasiya ist wahnsinnig kreativ und innovativ. Sie ist einfach ein Gesamtkunstwerk und sehr trendbewusst“, erklärt Christiane Secker im Interview mit AMICA Online die Wahl von Anastasiya. Die Marketingleiterin von Yoida bewundert, dass sich die 19-Jährige ihre Fangemeinde innerhalb kurzer Zeit aufgebaut hat und ergänzt: „Sie hat Kultpotenzial.“

Erfolgreich im Geschäft als lebende Puppe ist Spielzeug-Kollegin Valeria ebenso. Die Barbie-Schönheit wurde für das „V“-Magazin als Model in der Strecke „Living Doll“ gebucht. Im dazugehörigen Interview erklärte sie: „Ich freue mich darüber, wenn Leute mich für eine Puppe halten, weil das bedeutet, dass ich meinen Job gut mache.“ Und weiter: „Jede gut aussehende Frau mit feinen Gesichtszügen und einer schlanken Figur sieht aus wie eine Puppe.“

Puppen als Idealbild einer Frau? Das sieht Attraktivitätsforscher Professor Karl Grammer kritisch. „Barbie ist vielleicht ein Idol, hat aber nicht das, was in der Erwachsenenwelt als optimale Maße für Schönheit angesehen wird“, so der Gelehrte der Universität Wien. „Barbie entspricht in keiner Weise einem Schönheitsideal. Sie hat ein Kindergesicht und eine Kinderfigur mit Sexualattributen.“

© Asmus Henkel
Die Gründerinnen von AnyBody Deutschland: Yvonne Franck (l.) und Alena Thiem

Als problematisch betrachten das Phänomen die deutschen Gründerinnen der Organisation AnyBody Alena Thiem und Yvonne Franck. Sie setzen sich im Geist der britischen Initiatorin und Psychoanalytikerin Susie Orbach, die bereits Prinzessin Diana und ihre Essstörungen behandelte, für das Aufbrechen von Schönheitsidealen ein.

„Das Verständnis von Schönheit soll vielfältig sein“, erklärt Thiem. „Barbie ist nicht das Idealbild einer lebendigen Frau. Barbie ist ein Kunstprodukt, ein Spielzeug. Wir kritisieren nicht Valeria als Person, sondern vielmehr den Trend, den Frauen wie sie mit ihrem Verhalten auslösen, dass Körper designt werden“, sagt Franck. „Dass Barbie auf einen Menschen übertragen mit den Körpermaßen nicht lebensfähig wäre, ist mehrfach belegt. Sie könnte nicht atmen, würde nach vorne überkippen. Diese Frauen widerlegen das in ihrer öffentlichen Darstellung und das finden wir gefährlich.“

Christiane Secker dagegen sieht von ihrem Werbegesicht keine Gefahr ausgehend: „Anastasiya strebt weniger nach Perfektion als nach heiler Welt. Ihren Style schafft sie sich ohne Operationen und ohne riskante Diäten. Ich sehe hier deswegen keine Gefahr, weil sie sich als Künstlerin präsentiert. Viel gefährlicher sind hier meiner Meinung nach Modelcastingshows, weil es dort um die Realität, Gewicht und Aussehen der Mädchen geht.“

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