Vegan-Guru Brendan Brazier verrätSo formte ich Hugh Jackmans muskulösen Körper

Text: Deana Mrkaja

[kein Linktext vorhanden]Die Faszination der Muskeln: Frauen sind ihm verfallen und Männer beneiden ihn um seinen gestählten Körper. Hugh Jackman ist nicht nur auf der Leinwand ein talentierter Schauspieler, sondern auch ein begnadeter Tänzer auf dem Broadway. Für seine Rolle als Wolverine im „X-Man“-Film, musste Jackman erneut an Masse zulegen. Im Unterschied zu den Filmen zuvor, war es ihm dafür wichtig, gänzlich auf Hähnchenfleisch zu verzichten und sich die geforderten 6000 Kalorien am Tag rein pflanzlich zuzuführen.

Das schaffte er mit Hilfe seines veganen Ernährungscoaches Brendan Brezier. Der gebürtige Kanadier beschloss bereits mit 15 Jahren, seine Ernährung komplett umzustellen. Er wollte ein besserer Athlet werden und schaffte es auch. Brendan lief schon mehrmals einen 50-Kilometer-Marathon und ist professioneller Triathlet. Bereits 2008 veröffentlichte er sein erstes Buch darüber, auf welche Weise vegane Ernährung zu einer besseren sportlichen Leistung führt. In seinem neuesten Buch „Vegan in Topform“ beweist der 38-Jährige, dass vegane Ernährung alles andere als eintönig ist und stellt dabei 200 Rezepte vor.

Laut Brendan Brazier hat sich das Essverhalten sogar im Fast-Food-Land Amerika in den letzten Jahren deutlich verändert. Statt weiteren Burger-Läden eröffnen auch viele vegane Restaurants. Mehr Energie, ein tieferer Schlaf und die Fähigkeit klarer zu denken, nennt Brendan Brazier als Vorteile pflanzlicher Ernährung. Begeistert von den positiven Effekten, schrieb Hugh Jackman das Vorwort zu seinem neuen Buch. Warum der X-Man-Darsteller mit dieser Art von Ernährung auch auf dem Broadway besser tanzt und wie man dadurch zu einem besseren Sportler wird, erzählt Brendan Brazier im Interview.

AMICA Online: Ganz ehrlich, vermissen Sie nicht manchmal ein richtiges Steak?
Brendan Brazier:
Nein, überhaupt nicht. Ich lebe bereits seitdem ich 15 bin als Veganer. Ich weiß schon gar nicht mehr, wie die Sachen schmecken, von daher fehlen sie mir auch nicht.

Warum haben Sie so früh begonnen vegan zu leben?
Ich wollte mich einfach gesünder ernähren und ein besserer Athlet sein. Ich dachte, wenn ich mich schneller erholen kann, dann kann ich schneller wieder mit dem Training beginnen. Ich wusste, dass dabei die Ernährung eine große Rolle spielt und habe deswegen viele verschiedene Ernährungsweisen ausprobiert. Unter anderem eine rein pflanzliche. Anfangs fiel es mir schwer, aber nach einer Weile merkte ich den positiven Effekt.

Es war also nicht so einfach Ihr Leben umzustellen?
Ich wollte einfach alles tun, um mich sportlich weiterzuentwickeln. Ich wusste, dass mir das viel abverlangen würde. Ich musste auf Nudeln und andere Sachen verzichten und am Anfang ging es mir nicht so gut damit. Es ging darum herauszufinden, was mir an Nährstoffen fehlte, wenn ich bestimmte Sachen weglasse. Als ich schließlich erkannte, wie ich die Dinge ersetzen kann, ging es mir auch deutlich besser. Allerdings dauerte das ein Jahr lang.

Wie funktioniert Ihre Thrive-Diät?
Eines der Prinzipien ist, nicht so viele Kalorien zu sich zu nehmen, aber trotzdem satt zu werden. Statt viele Kohlenhydrate zu essen, sollte man lieber auf andere Dinge ausweichen, wie zum Beispiel Amaranth oder Nüsse. Man sollte Nahrung essen, die einfach verdaut wird. Somit kann der Körper die Energie, die er sonst zur Verdauung bräuchte, für andere Dinge einsetzen. Diese Art von Ernährung führt unter anderem dazu, dass man bessere Muskeln aufbauen und somit ein leistungsfähigerer Sportler werden kann.

© dpa/Twentieth Century Fox
Hugh Jackman als durchtrainierter Wolverine in der gleichnamigen Comic-Verfilmung.
Lassen sich denn Muskeln dadurch auch schneller aufbauen?
Ich weiß nicht, ob es schneller geht, aber auf lange Sicht gesehen, bringt es so auf jeden Fall mehr. Die Funktionalität der Muskeln ist besser. Es werden damit keine Muskeln gebildet, die quasi zum „Posen“ genutzt werden, wie bei Bodybuildern, sondern Muskeln mit denen man sich gut bewegen kann. Sie sind auch weniger anfällig für Verletzungen.

Wie sieht es mit Hugh Jackman aus, war er ein einfacher Kandidat für die Thrive-Diät?
Hugh Jackman hat festgestellt, dass er mehr Energie hat, wenn er sich vegan ernährt. Er meinte auch, er könne besser tanzen, da er doch auf dem Broadway auftritt. Außerdem wird er nicht so schnell müde. Für die Wolverine-Rolle war er jedoch schon eine Herausforderung für mich. Denn er musste unglaublich viel essen und dabei muss man sehr genau darauf achten, was man zu sich nimmt.

Hugh Jackman nahm während dieser Zeit 6000 Kalorien täglich zu sich. Wie hat er das rein vegan gemacht?Es gibt durchaus Lebensmittel, die sehr viele Kalorien liefern, wie zum Beispiel Süßkartoffeln oder Kichererbsen. Viele Proteine sind natürlich dabei auch sehr wichtig, wie die aus Erbsen und Reis. Man muss oft essen und nicht nur drei Mal am Tag. Lieber kleinere Mahlzeiten, dafür jedoch häufiger.

Gab es bei Hugh Jackman eine Phase, in der er aufgeben wollte?
Nein, denn er hat die Vorteile schnell erkannt. Er mochte die Energie, die er dadurch fürs Training gewann, sehr. Genauso den Effekt, dass er weniger müde war. Er wollte außerdem eine Art Vorbild für andere sein, vor allem für jüngere Menschen, die ihn bewundern. Schließlich hat er selbst Kinder und wollte ihnen näherbringen, was gesunde Ernährung ist.

Wie motivieren Sie andere dranzubleiben, wenn sie aufgeben wollen?
Man muss die Menschen einfach daran erinnern, wie gut sie sich gefühlt haben mit veganer Ernährung. Es geht hierbei nicht um eine Diät, sondern vielmehr um eine Lebenseinstellung. Bei Sportlern lässt sich gut damit argumentieren, dass sie durch die richtige Ernährung ihre Karriere eventuell um zwei Jahre verlängern können.

Haben Sie denn alle in Ihrem Umfeld schon zu Veganern gemacht?
Nein, natürlich nicht. Aber ein paar sind darunter. Manchmal reicht es auch gewisse Dinge zu ändern. Man muss nicht immer ausschließlich vegan essen. Ich persönlich habe mein erstes Buch geschrieben, weil ich einfach gemerkt habe, wie gut es mir damit ging und das wollte ich zeigen. Wenn Menschen zu mir kommen, dann freue ich mich darüber, Ihnen helfen zu können.

 

Fünf Fakten zu Brendan Braziers Thrive-Diät

  • Gegessen werden sollen Proteine aus Hülsenfrüchten und Samen, Fette aus Nüssen, Avocados und kalt gepressten Ölen, Zucker aus Obst, Stärke aus Kürbissen oder Süßkartoffeln und Kohlenhydrate aus ballaststoffreichem Gemüse wie zum Beispiel Spinat oder grünem Salat.
  • Das Gemüse sollte nicht über 48 Grad gekocht werden, da ansonsten wichtige Enzyme für die Verdauung verloren gehen.
  • Durch die pflanzliche Ernährung soll sich der Heißhunger auf Süßes, Kaffee oder Junkfood verringern.
  • Durch die Thrive-Diät soll das Körperfett reduziert und stattdessen Muskelmasse aufgebaut werden, die zu mehr Energie, Kraft und Ausdauer verhilft.
  • Während die Diät nebenbei zu einer besseren Hautstruktur und einem niedrigen Cholesterinspiegel führen soll, regeneriert sich der Körper nach Sporteinheiten schneller, man empfindet weniger Stress und hat einen tieferen Schlaf bei verringertem Schlafbedürfnis.
 

 

© Narayana Verlag

 

 

Titel: Vegan in Topform

Autor: Bredan Brazier

Verlag: Narayana Verlag

Preis: 26 Euro