PlädoyerFür eine Hand voll mehr

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Ja, ich gebe es zu. In gewissen Bereichen mag ich es gerne etwas größer. Bei der Dessertauswahl in der Kantine, bei meinem 16:9-Fernseher und eben auch bei den Dekolletés meiner weiblichen Mitmenschen. Das als chauvinistische Weltanschauung mit Hang zum Minderwertigkeitskomplex abzutun, wäre allerdings falsch. Ich fahre keinen Porsche, sondern einen italienischen Kompaktwagen, und ich bin höflich zu allen Frauen – unabhängig von ihrer Oberweite. Fest steht also: Ich bin kein „Berufsfettgesicht“. So klang Schlagerkönig Roberto Blanco, als er sagen wollte, er sei ein Brustfetischist.

Zu dieser Spezies Mann zähle ich mich nicht, aber ich mag weibliche Formen. Ganz gleich, ob im Strandbikini oder im Dirndl auf dem Oktoberfest – Frauen mit großer Oberweite sind schön anzusehen, und der Mann an sich riskiert ja gerne mal einen Blick. Im Übrigen spreche ich von natürlichen Rundungen. Silikonausbuchtungen im Format deutscher Mittelgebirge wie bei Frau Anderson oder Frau Buster sprechen mich nicht an. Dort bleibt mir nur der Mund offen stehen, weil mich die Dehnbarkeit menschlicher Haut sprachlos macht.

Zurück zum Thema. Warum stehen manche Männer auf Frauen mit üppiger Oberweite? Ob es daran liegt, dass wir als Baby gestillt wurden? Ich erinnere mich nicht mehr, ob Brust oder Flasche. Ein Anruf bei meiner Mutter könnte Abhilfe schaffen. Oder sind wir neidisch, da wir selbst nicht über eine üppige Oberweite verfügen?

Zumindest diejenigen von uns, die unter 130 Kilo wiegen. Der Umkehrschluss zum Mythos vom Penisneid der Frau? Klingt eher abwegig. Am Ende bleibt wohl wie so oft nur, die Wissenschaft zu bemühen. In einigen Jahren wird es im Labor einer englischen Elite-Universität entschlüsselt werden: das „Manche Männer bevorzugen Frauen mit großer Oberweite“-Gen. Da bin ich mir ganz sicher.

Jochen Krauss