Der Erfinder des Bobs ist totVidal Sassoon war Pionier des Wash-and-Go-Schnitts

von AMICA Online Redakteurin
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Vidal Sassoon stylt den Bob eines Models 1997 in Shanghai

Er befreite die Frauen von Haarspray und wöchentlichen Friseurbesuchen. Durch Schnitte, die ohne großes Toupieren schön fielen, setzte er dem Beehive und dem Bouffant ein Ende. Am 9.Mai 2012 starb Vidal Sassoon im Alter von 84 Jahren. Die Polizei von Los Angeles fand ihn in seinem Haus auf dem Mulholland Drive tot auf. Ein Sprecher sagte in einem Statement: „Es handelte sich offensichtlich um eine natürliche Todesursache, es gab keine Anzeichen für ein Verbrechen. Als die Beamten ankamen, waren Familienmitglieder vor Ort.”

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Vidal Sassoon

Vidal Sassoon, der an Leukämie litt, wurde 1963 durch eine Neuauflage des 20er-Jahre-Bubikopfs berühmt. Er kreierte an Schauspielerin Nancy Kwan eine längere Variante ohne Pony, mit gerader, kinnlanger Konturlinie – eine Revolution nach Jahren des aufwendigen Frisierens. Die grafische Optik orientierte sich in seinem Verlauf sehr stark an Nancy Kwans Gesichtsstrukturen und fiel durch seinen speziellen Schnitt immer wieder in Form zurück. „Shake it, Baby!“, soll der Coiffeur daher stets nach Fertigstellung gerufen haben. Seine „Schüttelfrisur“ schaffte es auf das Cover der „Vogue“, löste einen regelrechten Boom aus. Seine geometrischen Bobs und sein asymmetrischer Stil wurden genauso zum Synonym für die Sechziger Jahre wie Mini-Rock und Mod-Look.

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Vidal Sassoon mit seiner Frau Ronnie

„Wir lernten die Haarschnitte zu disziplinieren, indem wir uns an Geometrie, architektonische Formen und Strukturen orientierten“, erzählte er einst. Der Schnitt habe makellos sein und schön in Lagen fallen müssen. Vidal Sasson: „Wir haben eine Frisur kreiert, durch die Frauen nach dem Waschen ihre Finger fuhren und der dann zurück in Position fiel. Das war eine Revolution.”

Nach dem Umzug in die USA 1968 und dem Haarschnitt von Mia Farrow für „Rosemary’s Baby“ wird Vidal Sassoon weltweit bekannt. Seine avantgardistischen Styles waren geprägt durch Einfachheit. „Wash and wear“ wurde zu seinem Markenzeichen.

„Ich ließ alles weg, was die Aufmerksamkeit vom Gesicht ablenkte, um die Individualität der Kundin zu unterstreichen. Meine Absicht war, ihre Physiognomie zu betonen, ihre Augen oder andere individuelle Merkmale wirken zu lassen“, so Vidal Sassoon. Das Credo – “form follows function“ – ist angelehnt an die Bauhaus-Bewegung aus den 20er Jahren.

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Den so genannte „Five Point“ Cut verpasste Vidal Sassoon Model Grace Coddington

Schon als 14-Jähriger hatte Sassoon in seiner Heimat England als „Shampoo-Boy“ gearbeitet, um für seine Familie Geld zu verdienen. Zunächst rührte er unfreiwillig Haarwaschmittel an, dann machte es ihm immer mehr Spaß die Köpfe der Kundinnen zu verändern. 1954 dann der erste Salon in London. Damals schon gehörte die Trendikone Mary Quant zu den Fans seiner schlichten, kurzen Haarschnitte.

Nach seinem großen Durchbruch baute er ein regelrechtes Imperium an Salons auf, experimentierte in den 80er-Jahren mit intensiven Farben und kreierte später natürliche Looks, die immer noch wenig Styling verlangten. Heute gibt es Sassoon-Filialen in dreizehn Ländern weltweit. In Akademien in London. Los Angeles und Shanghai wird seine Schnittkunst gelehrt. Auch eine Reihe an Shampoo- und Styling-Produkten entwickelte der Friseur und erkundete hierfür die verschiedenartigen Haarstrukturen. Haare so natürlich wie möglich zu belassen und sie als organische, lebendige Substanz zu behandeln – ist die Sassoon-Philosophie, die noch über seinen Tod hinaus heute aktuell bleibt.