Warum Laufen? Das soll Spaß machen?

S. 2/5

 

Warum zum Teufel sollte ich überhaupt laufen?

Gute Frage. Die hätte ich 42 Jahre lang auch nicht beantworten können, da habe ich auch nur über die armen Trottel im Park gelacht, die da ihre Runde zogen. Hm, lass sehen: Ich könnte es mir jetzt leicht machen und die üblichen Gründe runterbeten – bessere Fitness, bessere Figur, besseres Immunsystem, besserer Schlaf, besserer Sex, bessere Ideen, besseres Nervenkostüm, blablabla. Aber ganz ehrlich: Das sind ein paar der schlechtesten Gründe zu laufen.

Bitte?
Ich verrate dir mal das schmutzige kleine Geheimnis von uns Läufern: Es gibt verdammt wenige unter uns, die morgens um sechs aufstehen und trotz Dauerregen schlaftrunken in die Laufschuhe steigen, bloß um die Cholesterinwerte um ein paar Punkte zu senken. Nein, wir laufen, weil wir … Wie bringe ich dir das nur schonend bei? Weil wir es mögen. Weil wir nicht nicht laufen können.

Entschuldigung – ich schaffe es doch auch ganz mühelos, nicht zu laufen.
Um auf deine erste Frage zurückzukommen: Du könntest genauso gut fragen, warum zum Teufel sollte ich Schokolade essen? Oder: Warum sollte ich Sex haben? Man kann ganz gut ohne das alles leben. Aber warum sollte man? Warum auf dieses unfassbar – um beim Schokoladen-Vergleich zu bleiben – geile Gefühl verzichten?

Es hat noch nicht einen Tag gegeben, an dem ich mich nach dem Laufen schlechter gefühlt hätte als vorher. Es ist dieses unbeschreiblich satte Gefühl, wenn das Blut gut gelaunt durch deine Adern rauscht. Diese tiefe Zufriedenheit, den eigenen Körper mit den eigenen zwei Füßen voranzubringen. Dieser legale kleine Rausch, alles klarer zu sehen, intensiver zu riechen …
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