Warum Laufen? Und gesund soll das sein?

S. 3/5

 

Okay, schon klar. Aber wenn das alles so toll ist, warum läuft dann nicht jeder?

Weil es am Anfang keinen Spaß macht. Wirklich nicht. Man kommt sich vor wie der letzte Idiot, wenn man nicht mal fünf Minuten durchhält, ohne keuchend zusammenzubrechen. Die ersten Tage sind bitter für das Selbstbewusstsein. Ich persönlich habe das Acht-Wochen-Programm auf einem Laufband in der hintersten Ecke meines Fitnesscenters gemacht: Da konnte mich keiner sehen, wie ich bei läppischen sieben Stundenkilometern vor mich hingetrottet bin und in der ersten Woche jede Sekunde auf der Uhr vor mir gezählt habe, bis die eine Minute Laufen vorbei war und ich zwei Minuten gehen durfte.

Aber das Schöne daran, in etwas wirklich schlecht zu sein, ist, dass man sich geradezu blitzartig verbessert. Wenn man mal erwachsen ist, hat man diese kleinen Triumphe, etwas heute besser zu können als gestern, schon fast völlig verlernt.

Wieso hast du überhaupt angefangen?
Weil ich genervt davon war, dass nichts mehr so leicht ging wie früher, dass ich nicht mehr so viel essen, nicht mehr so viel trinken und nicht mehr so wenig schlafen konnte wie früher. Es ist hart zu kapieren, dass der Körper, den man mit 18 hatte, für alle Zeiten verschwunden ist. Man könnte sagen, es war eine Protestaktion gegen den ungerechten Verfall, kindischer füßchenstampfender „Das wollen wir doch mal sehen“-Trotz. Ich glaube ja, dass die meisten Leute eher zähneknirschend und widerwillig mit dem Laufen anfangen. Sozusagen mit der linken Gehirnhälfte, der „Ich sollte dringend mal“-Hälfte.
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