Warum Laufen? Wie jetzt? Überwältigend?

S. 4/5

 

Und wann hast du begonnen, es zu mögen?

Als ich zum ersten Mal hinterher unter der Dusche stand. Man beginnt das Laufen von hinten zu lieben. Am Anfang war ich einfach nur süchtig nach dem Gefühl danach: Du hast es geschafft, du hast es gebracht, du bist super, du hast dein Leben wieder in der Hand, heißes Wasser prasselt auf deinen Rücken und du atmest so tief aus wie nie zuvor im Leben.

Gleich weine ich.
Gleich weinst du wirklich: Richtig verknallt habe ich mich ins Laufen, als ich bei einer Reise nach Sydney das erste Mal im Leben draußen gelaufen bin. Ich frage den Wagenmeister vorm Hotel, wo der nächste Park ist, er drückt mir einen kleinen Plan in die Hand mit den Worten „Hier, meine Lieblingsstrecke“, und zehn Minuten später laufe ich unter Palmen und zwischen Reihern durch den Botanischen Garten direkt auf die Oper zu. Ich musste stehen bleiben, weil ich in Tränen ausgebrochen bin, so grandios war das. Es war so, als ob du den ersten Sex deines Lebens mit George Clooney hättest. Aber das Allerbeste war, von den anderen Morgenjoggern mit einem Nicken begrüßt zu werden. Man ist plötzlich Teil einer globalen Familie von lauter einzelnen Irren, verbunden durch dasselbe Glücksgefühl.
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