Blond, eine teuflische Mutation Monroe, Bardot, Anderson
Denn in unserer Kultur ist das Blondsein weniger eine Frage der Zugehörigkeit zu einer bestimmten Spezies – sondern freie Wahl, Philosophie, Haltung. Frauen suchen sich ihr Blondsein aus. Und keiner geht es darum, jemandem einzureden, sie sei von nordischem Geblüt. Die meisten Blondinen tun nicht einmal so, als wären sie es von Natur. Das Blond, das aus der Flasche kommt, fällt in eine andere Kategorie als Nasen-OPs oder falsche Brüste, bei denen es darum geht, dass sie täuschend echt, also natürlich wirken.
Die Blondinen der Gegenwart finden es häufig sogar schick, dunkle Haaransätze oder eine bunte Mischung unterschiedlicher Blondtöne zu demonstrieren. Debbie Harry von Blondie machte schon vor 15 Jahren eine ziemlich fortschrittliche Ansage, als sie vorne platinblond und hinten ebenholzschwarz erschien. Die Botschaft lautete: „Ich bin blond, weil ich es sein will. Ich bin künstlich und stolz drauf.“
Der postmodernen Blondine geht es nicht um Gene, sondern um Kunst. Sie ist ihr eigenes Kunstwerk: Sie glaubt daran, dass Natur und Künstlichkeit zusammenfinden können und dass unser biologisches Erbe bloß ein Sprungbrett für unsere Träume und Phantasien ist. Blondsein ist ein Sieg des Willens – des Willens, sich die eigene Persönlichkeit selbst auszusuchen, und des Willens, Männer und Konkurrentinnen zu verzaubern und in Verwunderung und Anbetung zu stürzen.
Die blonde Sexbombe unserer Tage hat eine reiche Tradition. Sie erstreckt sich von Jean Harlow und Carole Lombard über Marilyn Monroe, Jayne Mansfield und Brigitte Bardot bis hin zu Madonna, Sharon Stone, Drew Barrymore, Courtney Love und einem ganzen Heer hellhaariger Mitstreiterinnen. Die Blondine ist die Göttin unter uns und ihr Haar ist ihr Heiligenschein.
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