Ernährungsexpertin zu „Punch“„1200 Kalorien pro Tag reichen nicht für eine Frau“

von AMICA Online Autorin
Alle Infos zu Ramona: oder folge mir auf

© REUTERS
Ex-Boxer Michael Olajide machte Adriana Lima in nur vier Wochen fit für die Victoria's-Secret-Show. In seinem Fitnessbuch „Punch“ rät der Personal Trainer auch zur passenden Ernährung. Doch wie gesund und ausgewogen ist das Ganze? AMICA Online sprach mit Kirsten Brüning. Die Ernährungswissenschaftlerin hat sich auf Sporternährung spezialisiert und sich die Tipps von Michael Olajide genauer angesehen.

AMICA Online: 1200 Kalorien täglich werden Frauen empfohlen  – wie beurteilen Sie die Menge für ein so intensives Sportprogramm?
Kirsten Brüning
: Ich kann nicht pauschal sagen, für eine Frau reichen 1200 und für einen Mann 1500 Kalorien. Wenn der Autor davon ausgeht, dass Sie vormittags und nachmittags je eine Stunde Training absolvieren, kann man locker davon ausgehen, dass Sie zwischen 300 und 500 Kilokalorien an Extraenergie verwerten – je nach Intensität vielleicht sogar mehr. Das ist also viel zu wenig und ich sehe da auch die Wahrscheinlichkeit bei so einem straffen Programm sehr hoch, dass man danach im Jo-Jo-Effekt steckt. Das heißt, dass man einfach zu wenig Energie für das Programm zu sich nimmt.

Olajide rät, sich zum Fitnessprogramm an eine ausgewogene Mischkost zu halten. Was halten Sie davon?
Die Empfehlungen für die Lebensmittelauswahl finde ich jetzt gar nicht so schlecht, die er da angibt: überwiegend Vollgetreideprodukte, eher mal Kartoffeln, viel Gemüse, eher pflanzliche Eiweißlieferanten und wenig hochwertige Fette in Form von Nüssen. Die pauschalen Empfehlungen finde ich gut, nur die konkreten Empfehlungen in puncto Energie sprich die Portionsgrößen passen nicht, das ist viel zu wenig.

© PR
Ex-Boxer Michael Olajide will jedem zum Traumkörper verhelfen. Ob das so einfach geht?
Im Work-out ist vorgesehen, jeweils sechs Tage lang zu trainieren und am siebten Tag eine Pause einzulegen.
Von der Idee her ist das schon in Ordnung. Für jemanden, der völlig untrainiert ist, würde ich das eher nicht empfehlen und das Trainingsniveau individuell anpassen. Da würde ich ungefähr alle drei Tage einen Regenerationstag empfehlen, also zwei Tage Training und einen Tag Regeneration.

Was mich wirklich schmunzeln lässt ist seine Aussage, gerade mal einen Liter Wasser zu trinken. Was sagen Sie dazu aus ernährungswissenschaftlicher Sicht?
Es hakt an diesem ganzen Programm. Er hat das Ganze sehr auf sich abgestimmt und was bei ihm funktioniert hat. Wenn Sie versuchen, sich an diesen einen Liter zu halten, neigen Sie dazu, sich beim Training eher zu verletzen – weil Sie einfach nicht genug Flüssigkeit im Körper haben, um die Muskeln geschmeidig zu halten. Gerade wenn Sie abnehmen möchten, brauchen Sie mehr Flüssigkeit im Organismus, um einfach etwas bewegen zu können. Ich bin mehr als 14 Jahre in dem Bereich Ernährungsberatung, vorwiegend von Leistungssportlern, aktiv und muss immer wieder feststellen: Wenn zu wenig getrunken wird, passiert zu wenig! Das heißt, ich brauche das Wasser als Medium, um überhaupt Fettreserven mobilisieren zu können.

[kein Linktext vorhanden]Was die Gerichte angeht, die Olajide vorschlägt, interessiert mich als Vegetarier: Kann ich das Ganze überhaupt umsetzen, ohne einen Mangel zu haben? Wie sieht es für Veganer aus?
Das ganze Programm ist wirklich nur für kurze Zeit angelegt. So etwas wie das Omelett aus reinem Eiklar ist da absolut übertrieben. Zur Frage, ob das Vegetarier oder Veganer mit entsprechenden Lebensmitteln ausgleichen können: Ich könnte mir vorstellen, dass das funktioniert. Ich kann ja zum Beispiel anstelle des griechischen Joghurts Sojajoghurt nehmen. Anstelle des Omeletts könnte ein Veganer zum Beispiel Humus aus Kichererbsen essen mit Spinat und Tomaten. Oder Sie könnten gewürzten Tofu zum Salat essen oder gegarte Linsen oder Kidneybohnen hinzugeben.

Wie beurteilen Sie also Abnehmen mit „Punch“?
Michael Olajide betrachtet das immer als ein kurzfristiges Programm, um ein gewisses Gewicht zu erreichen. Das ist also wirklich gedacht, wie ein Boxer denkt oder auch ein Bodybuilder oder Model: Ich muss auf den Punkt genau in fünf oder sechs Wochen fit sein für den Laufsteg oder Ring oder meine Präsentation als Bodybuilder. Für eine optisch definierte Muskelmasse wird dann auch gern die Flüssigkeitszufuhr auf ein Minimum reduziert. Es ist aber kein langfristig angelegtes Programm – so wirkt es auf mich – um sinnvoll abzunehmen.