WeihnachtenDie Flohmarkt-Jägerin

Versuchen wir es mit dem nächsten Trick: Wir starten mit den Einkäufen schon im August oder noch früher, besuchen Flohmärkte und sind besonders aktiv, wenn bestimmte Accessoires-Läden schließen wollen und zum Beispiel goldene Löwenkopf-Schlüsselanhänger mit glitzernden Strassaugen für 50 Cent anbieten und die Leopardenclutch für 20 Euro.

Da wacht die Großwildjägerin auf und kauft im Juli kostbare Perl-Ohrgehänge (herabgesetzt von 300 auf 100 Euro) als Weihnachtsgeschenk für die beste Freundin. Aber an einem Septembersamstag um 20 Uhr (wenn alle Geschäfte schon geschlossen haben) fällt einem siedend heiß ein, dass man morgen zum Geburtstag einer lieben Bekannten eingeladen ist. Und kein Geschenk hat. Also was nehmen? Die Ohrringe natürlich. Klar hat sich das Geburtstagskind gefreut.

Zufälligerweise gehört es aber zu diesen ewigen Hippies, die keinen Unterschied zwischen Brillant und Isar-Kieselstein machen. Kurz gesagt, man hat die Luxus-Perlen vor einen Hippie geworfen.

© Aveda

Später gehen noch etliche vorzeitig gekaufte Weihnachtsgeschenke den Opfergang der Vergesslichkeit. Irgendwie dann doch zu teuer, das Ganze.
Dabei schafft nicht nur die Besorgung Probleme, sondern auch die Frage: Was für wen?

An dieser Stelle möchte ich eine Lanze für alle Menschen brechen, von denen vielleicht sogar mit Recht behauptet wird, dass sie alles haben, was man sich nur wünschen kann, und es deshalb so schwierig sei, sie zu beschenken.

Selbst wenn man sehnsüchtig nach Besitz und offensichtlichem Glück dieser Menschen schielt, ist das noch lange kein Grund, ihnen den albernsten Tinnef unter dem Mäntelchen der Witzigkeit und Originalität auf den Gabentisch zu legen. Ich nenne nur zwei Lachsackgeschenke, die einem die Tränen in die Augen treiben: ein puderfarbenes Rokoko-Schirmchen aus echter Brüsseler Spitze gegen die Sonne für eine toughe 41-jährige Unternehmerin, die in ihrer Freizeit am liebsten an Triathlon-Wettbewerben teilnimmt.

Und ein Zimmerbrunnen mit Beleuchtung und Musik, optisch nahe an Neuschwanstein, technisch fast so perfekt wie das minimalistisch eingerichtete Haus des männlichen Empfängers dieses Geschenks. Also bitte notieren: Auch wenn eine Freundin 120 Glitzerarmbänder besitzt, wird sie das 121. Armband mehr erfreuen als ein einarmiger Butler aus Kunststoff (möglichst noch kolonialfarben schwarz), der „Danke“ sagt, wenn man einen Brief auf sein Tablett legt.

Wie ist es mit Selbstgebasteltem? No go, außer Sie sind Schneiderin, Künstlerin, Handwerkerin und perfekt in dem, was Sie gelernt haben. Und Sie sind gut erzogen, würden also nie nachfragen, wo das Teil abgeblieben ist, wenn Sie es bei den Beschenkten nicht mehr sehen. Darf man Mode verschenken? Gern, wenn sie genau den Geschmack und die richtige Größe trifft. Ansonsten sehe ich das ein bisschen als Einmischung in die jeweilige Privatsphäre an, selbst wenn die Möglichkeit zum Umtausch besteht.

Zum Schluss noch ein Wort in eigener Sache: Ich entschuldige mich hiermit bei Daggi, der ich aus vorgefertigten Strickteilen mal einen Pullover genäht und auf ihren Weihnachtsteller gelegt habe. Und bei Trixi, die noch immer überlegt, wie sie die Lampe in Taschenform, die ich ihr letztes Jahr zu Weihnachten für ihr Ankleidezimmer geschenkt habe, möglichst diskret entsorgt. Man bemerke, ich weiß, wovon ich schreibe.

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Die Flohmarkt-Jägerin