Asthanga Abschauen verboten!

S. 3/7

 

Wir Anfänger haben uns nach hinten verzogen, aber das nützt uns nichts. Denn hier patrouilliert Sharath durch die Reihen, bringt da einen Arm in die richtige Position, drückt dort einen Rücken tiefer in die Dehnung.
© IFA-Images
Viel muss er nicht tun: Schließlich würde jeder inbrünstiger beten, wenn er den Papst in seinem Rücken wüsste. Das Mädchen neben mir, Marta aus Spanien, verschränkt bei gestreckten Beinen die Hände unter den Füßen, Paschimottanasana, und flüstert unter Tränen, „Das habe ich zu Hause nie geschafft.“ – „Ey!“ dröhnt es von vorn. „Don’t talk! Don’t look! Bad lady!“ Guruji sieht alles.

Bloß nicht schauen, nicht auf die anderen achten, das ist eine der härtesten Übungen im Ashtanga. Der Zwang, nach den Nachbarn zu schielen, neidisch ihre Biegsamkeit und Kraft mit den eigenen kümmerlichen Bemühungen zu vergleichen, ist das Erste, was man sich abgewöhnen muss, und das Letzte, was man aus seinem kleinen westlichen Hirn vertreiben kann. Normalerweise wird Ashtanga sogar ohne Anweisungen geübt: Jeder absolviert die Folge der Positionen im Rhythmus seines eigenen Atems, hin und wieder korrigiert vom Lehrer. Jeder ist allein für seinen eigenen Körper zuständig. Hingabe, Motivation – für Ashtangis eine absurde Vorstellung, dass die in einen hineingebrüllt werden. „You do“, sagt vorn Guruji ruhig zu einer Frau, die erschöpft aufgeben will. Und sie beginnt wieder.
Kommentar schreiben
Name
Überschrift
Ihr Kommentar