Asthanga Beim Meister persönlich
Um sechs Uhr morgens ist es noch dunkel in der Brick Lane im Londoner East End, nur die Schaufenster der indischen Geschäfte mit ihren Bollywood-Videos und staubigen Kunstpelzballen schimmern matt.
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Hinter ihm hält eine Limousine mit schwarz getönten Fenstern. Vom Rücksitz steigt eine dünne Blonde. Alle gucken: Gwyneth? Nein, doch nicht. Der uniformierte Fahrer parkt um die Ecke.
Hinter der Eisentür ein strahlend weißer Saal mit Holzboden. Schon jetzt wird der Platz knapp: Rund 120 Leute haben ihre Matten entrollt, sitzen im Lotossitz, stretchen. Männer mit Pferdeschwänzen, Frauen mit Ballettknoten. Eine ernste Japanerin, zwei schnatternde Italienerinnen. Die Luft ist wie elektrisiert.
Der Mann, auf den hier gewartet wird, ist 89, kahl, buddhabäuchig und ein Superstar der Yogawelt, „the man“, sagt ein Australier, „the big G, the G of Gs“: Sri K. Pattabhi Jois, Erfinder des Ashtanga Yoga und damit Guru von Madonna, Gwyneth Paltrow, Sting und unzähligen anderen Prominenten mit verdammt guten Oberarmen. Eine Yogastunde bei Sri Jois ist wie eine Psychotherapie-Sitzung bei Siegmund Freud, eine Vorlesung über Marxismus bei Karl Marx: das unbezahlbare Erlebnis, direkt an der Quelle zu sitzen, im Epizentrum einer Idee.
Eigentlich lehrt Guruji, wie ihn seine Anhänger nennen, in seiner winzigen Schule im indischen Mysore, alle paar Jahre aber bricht er zu einer Reise in die westliche Welt auf, der „definitiv letzten“ Tour, jedes Mal wieder. Die Tickets sind im Nu vergriffen, die Schüler reisen aus allen Winkeln der Welt an – um im Morgengrauen vielleicht neben Gwyneth Paltrow oder Christy Turlington zu schwitzen wie bei der letzten Tour in New York.
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