Asthanga Das Aerobic der Yoga-Schulen

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Schlagartig wird es still. Er ist da. Ganz in Weiß im traditionellen Dhoti, darüber eine Helly-Hansen-Jacke.
© IFA-Images
Drei weiße Brahmanenstreifen auf der kahlen Stirn, darunter ein Grinsen so breit wie der Ganges. Hinter ihm, geräuschlos, seine Tochter Saraswati, 63, und sein Enkel Sharath, 33, der mindestens so verehrt wird wie sein Großvater: Er ist der einzige Mensch auf der Welt, der die sagenumwobene sechste Serie des Ashtanga beherrscht.

„Samastithi!“, gerade stehen, ruft der Guru mit überraschend kräftiger Stimme, und die Halle steht, die Zehenspitzen an der vorderen Mattenkante. „Vande gurunam caranaravinde“, singt er, ich bete zu den Lotosfüßen des höchsten Guru, und die Halle fällt ein: „sandarsita svatma sukhava bodhe“, der den Weg zeigt zur Erkenntnis des höchsten Glücks. „Surya Namaskar A“, ruft er, und jetzt gibt es kein Zurück mehr: Großer Patanjali steh mir bei.

Ashtanga Yoga ist am wenigsten das, was ein Westler unter Yoga versteht, und gleichzeitig die vielleicht westlichste Schule von allen: kein gemütliches Dehnen zu Räucherstäbchen, sondern eine unfassbar anstrengende, schweißtreibende Tortur. Es ist Hardcore-Yoga, das Aerobic unter den Yogaschulen, sagen viele: Man ist 90 Minuten lang ständig in Bewegung, die rund 40 Stellungen werden durch Vinyasas – Modifikationen des Sonnengrußes, zu gut Deutsch: endlosen Liegestützen – miteinander verbunden, was in Kombination mit einer speziellen Atemtechnik, dem Ujjayi, das Blut zum Kochen bringt, alle Gifte aus den 72000 Energiekanälen zwingt und jeden Anfänger an den Rand einer Ohnmacht treibt.

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