Asthanga Den Körper erfahren

S. 5/7

 

Das sind die Niederlagen. Doch es gibt auch Glücksgefühle: In meinen besten Momenten ist mein Körper ein Ort unglaublicher Ruhe. Mein Verbündeter. Nein, besser: Er ist ich.
© IFA-Images
Nichts Fremdes, über das ich mich ärgere, sondern ein Grund für Dankbarkeit (bis ich wieder auf die blöde Idee komme, auf einem Bein stehen zu wollen). Und dann ist da noch die unbeschreibliche Freude, mit 120 Fremden synchron zu atmen wie Wellen in einem gewaltigen Meer, mit 120 Fremden im Kopfstand zu stehen wie in einem Wald. Und dabei von einem Guru (die Balance!) die Füße gestützt zu bekommen.

Die Serie ist geschafft, alle liegen in Savasana, der Leichenstellung. Aber nur kurz: Vor dem Klappstuhl von Guruji bildet sich eine Schlange von Schülern, die kleine Geschenke in Harvey-Nichols-Tüten vor ihm abstellen, ihn umarmen und ihm die Füße küssen, wie es Tradition ist. No way! Ich doch nicht! Yoga findet deine Schwächen, und meine ist mangelnde Ergebenheit.

Und doch kann ich nicht anders. Ich reihe mich ein und tue dasselbe wie die vor mir: Beuge mich über seine Füße und führe dreimal schnell die Hände von meiner Stirn zu seinen Schuhen. „Namaste“, sagt er und lacht, für ihn ist es das Selbstverständlichste von der Welt, das Göttliche in mir verbeugt sich vor dem Göttlichen in dir. „Namaste“, murmele ich, so verlegen wie noch nie in meinem Leben.
In Ordnung. Morgen früh werde ich es wieder versuchen, auf einem Bein zu stehen. Bis ans Ende meiner Tage.
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