Jivamukti Gute Schmerzen

S. 4/5

 

© Martin Vogt
Für die Tatsache, dass ich jahrelang Aerobic und Jogging betrieben habe, für das abschließende Stretching aber immer zu faul war, bekomme ich nun die Rechnung präsentiert: Die Dehnübungen im Jivamukti fordern die durch den Sport verkürzten Muskeln auf, sich wieder in ihre ursprüngliche Länge zu dehnen. Was angenehm klingt, ist mitunter richtig schmerzhaft.

Gleichzeitig scheinen sich jedoch Sauerstoff und Wärme in den Gliedern auszubreiten und schon innerhalb einer Yoga-Stunde bemerke ich erstaunt, wie beweglich mein Körper eigentlich ist. Plötzlich gelingt es mir, den Oberkörper im Sitzen auf die ausgestreckten Beine zu legen, wo ich vor der Stunde gerade mal mühsam die Zehen mit den Fingerspitzen zu greifen bekam.

Trotzdem geht es gerade nicht darum, möglichst viel zu erreichen, sondern vor allem sich selbst und seinen Körper zu akzeptieren, Grenzen anzuerkennen und vor allem gnädig zu sich selbst zu sein. Eine der schwierigsten Übungen für uns, die wir Leistungsdruck gewöhnt und an Erfolg orientiert sind.

Immer wieder ertappe ich mich beim neidvollen Beobachten anderer Kursteilnehmer, die mühelos den Kopfstand schaffen und Gelenke aus Gummi zu haben scheinen. Wiederholt muss uns der Lehrer ermahnen, uns bei den Übungen nicht selbst zu bewerten und ich merke, dass es mir im Laufe der Stunde immer besser gelingt, negative Gefühle wie „ich kann das nicht“ oder „ich bin schlecht bei dieser Übung“ auszuschalten.
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