Jivamukti Pure Energie

S. 5/5

 

© Martin Vogt
Wärme erzeugt Energie, das weiß jeder, der ein wenig Ahnung von physikalischen Vorgängen hat. Wie faszinierend sich dies aber im menschlichen Körper anfühlen kann, erfahre ich, als wir Yogis in der Endentspannung aufgefordert werden, die durch die Übungen erzeugte Kraft durch den Körper zu leiten.

Jeder Einzelne kann das allein durch seine Vorstellungskraft bewirken, der Lehrer hilft mit einfachen Bildern. So stelle ich mir vor, beim Einatmen ein helles Licht in meinen Kopf hinaufzuleiten, bei der Ausatmung dieses Licht in all meine Glieder fließen zu lassen. Tatsächlich beginnt meine Haut zu kribbeln, meine Arme und Beine fühlen sich nach einer Stunde anstrengender Asanas plötzlich erstaunlich erfrischt und lebendig an.

Ein seltsamer und bisher ungekannter Zustand zwischen Wachsein und Schlaf ist es am Ende der Stunde, als der Lehrer uns auffordert, uns immer tiefer sinken und die Gedanken vorbeiziehen zu lassen. Mein erster Schritt in Richtung Meditation gelingt nicht so einfach, oft ertappe ich mich dabei, wie mein Gehirn um alltägliche Gedanken kreist. Dennoch fühle ich Wärme und Ruhe in mir und nehme nur ganz entfernt war, wie der Lehrer langsam im Raum umherschreitet und jedem Schüler eine kühlende Salbe auf den Nacken streicht.

Als wir schließlich nach nochmaligem, gemeinsamen Om-Singens von unserem Lehrer mit einem Friedensgruß entlassen werden, erwarte ich, dass ich totmüde aus dem Saal taumle. Doch tatsächlich fühlt sich zwar mein Körper erschöpft, mein Geist jedoch hellwach an. Irgendetwas scheint in mir zur Ruhe gekommen zu sein, was sich sonst in Bewegung befindet. Was genau es ist, kann ich nicht deuten, aber es wirkt, als lächle ich von innen.
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