Internet-CommunityElitäre Netzwerke

© Stockbyte

In die elitärsten der Netzwerke gelangt man nur auf Einladung eines Freundes oder Geschäftspartners. Dann legt man sein Profil an – persönliche Daten, Lebens- und Karrierestationen, Interessen – und schlägt sich ein paar Nächte um die Ohren, um per Suchfunktion festzustellen, wer von den alten Freunden, Kollegen, Studienkollegen noch so drin ist.

Denen schickt man ein freundliches Hallo, bekommt hoffentlich eins zurück und legt so eine kleine Sammlung von Kontakten an. Die haben ihrerseits Kontakte, und plötzlich findet man sich per Schneeballsystem in einem Netz von tausenden Bekannten von Bekannten wieder, getreu der Theorie des US-Psychologen Stanley Milgram, jeder sei mit jedem auf der Welt über höchstens sechs Zwischenkontakte verbunden.

Beste Selbstdarstellung

Was man nun mit diesem Netzwerk anfängt, ist eine Frage von Bedürfnis und Temperament. Ursprünglich war Xing/OpenBC als Businessplattform für ein Zeitalter gedacht, in dem es immer weniger Arbeitsplätze und immer mehr Projekte gibt, also zeitlich befristete Unternehmungen, für die man sich seine Mitstreiter immer wieder neu zusammenstellen muss. Und tatsächlich gibt es jede Menge schöner Anekdoten von tollen Geschäftsbeziehungen, die sich beim Networking entwicket haben, oder von Headhuntern, die die Profile nach potenziellen Kandidaten durchflöhen.

Doch Online-Communities wie Xing/OpenBC sind zunächst einmal kein Karrierebeschleuniger, sondern nur riesige Datenbanken, in denen man sich, anders als zu den Maskenballzeiten des Internets, nicht als „bussibaerchen21“ oder „wankerMUC“ verstecken kann, sondern unter Klarnamen und mit möglichst hübschem Foto präsentiert.


Kosmischer Kaugummi

Die erforderliche Selbstdarstellung will deshalb gut überlegt sein, denn was man freiwillig im Netz hinterlässt, haftet einem an wie kosmischer
Kaugummi – wer das alles liest, wie er es versteht, was er daraus macht, das entzieht sich jeder Kontrolle. US-Arbeitgeber gucken sich MySpace-Profile künftiger Mitarbeiter genau an – und finden Fotos von Trinkwettkämpfen am Ballermann vielleicht nicht so witzig wie die 83 Freunde, die man damit gewonnen hat.

Xing/OpenBC-Profile wiederum riechen oft nach purer Verzweiflung: Einige Mitglieder protzen mit tausenden von Kontakten, völlig wahllos zusammengeklaubt in der irrigen Ansicht, dass Masse Klasse ersetzt. Und manch einer ballert sein Profil mit so vielen Fähigkeiten zu, die er offeriert, dass man ahnt: Der kann nichts richtig.