Internet-CommunityExklusiver Zugang

© Stockbyte

Alte Hasen betrachten Social Networks deshalb ganz pragmatisch als Visitenkartensammlungen, die sich ständig selbst auf den neuesten Stand bringen, oder als Recherchetool, um Kundengespräche vorzubereiten („So, Sie spielen also auch Golf …“). Und die wahren Deals werden dann doch wie eh und je im direkten Kontakt gemacht.

Es gibt auch Kritiker, die dieses manische Kontaktesammeln als reines Zeittotschlagen verachten. Aber immerhin befriedigt es die menschlichen Urbedürfnisse nach Aufmerksamkeit und Zusammengehörigkeitsgefühl. Tatsächlich sind die Mechanismen in Online-Communities nicht viel anders als früher im Soziotop Pausenhof. Die Fragen sind die alten: Gehöre ich dazu? Kenne ich die richtigen Leute? Wie beliebt bin ich? Warum antwortet X nicht auf meinen Kontaktversuch? Sowas kann einen verrückt machen – und wer braucht schon Selbstzweifel im virtuellen Raum?

Es zählen Jahreseinkommen und Werdegang

Das warme Gefühl der Zugehörigkeit und die kalte Angst vor Abweisung gibt es bei allen Netzwerken. Am ausgeprägtesten aber manifestieren sie sich bei den neueren Gemeinschaften, die vom gängigen All-inclusive zum Prinzip Abschottung übergegangen sind. Es gibt mehr und mehr Clubs, bei denen man nicht so leicht am Türsteher vorbeikommt: Managerclubs wie CAPup! und Manager-lounge verlangen fünf Jahre Führungserfahrung bzw. ein Jahreseinkommen von mindestens 100 000 Euro (bis 40) oder 150 000 Euro (ab 46). Die Türen öffnen sich erst nach einem 30-minütigen Telefoninterview, später wird „in regelmäßigen Abständen der geschäftliche Werdegang sämtlicher Mitglieder geprüft“, heißt es drohend.

Die schwarze American-Express-Card unter den Communities aber ist aSmallWorld, ein feudaler Privatclub, in dem sich angeblich Paris Hilton, Quentin Tarantino und Prinz Pavlos von Griechenland herumtreiben. Mitglied wird man nur auf Einladung, und einladen darf längst nicht jeder Teilnehmer, sondern nur bestvernetzte Socie-tykenner mit tadellosem Leute-Geschmack, über die wiederum ein Gremium nach undurch- schaubaren Regeln entscheidet – die Auswahlkriterien sind „unser Geheimrezept“, sagt aSmallWorld-Gründer Erik Wachtmeister, Investmentbanker und Sohn des ehemaligen schwedischen Botschafters in den USA.