Job-ReportVerliebt in eine Spionin

Verliebt in eine Spionin
Mit Schirm, Charme und Melone / neutrale Bilder

Geheimdienstlerinnen müssen also nicht unbedingt Kampfanzüge à la Emma Peel tragen oder mit Dolchen in der Bikinihose aus dem Meer steigen – für Kampf auf allen Ebenen sorgen sie, sofern sie nicht Bürojobs verrichten, trotzdem.

Ihr Stand ist schwer: Die Geheimdienste hielten sich lange als Männerbastion hartnäckiger Vorurteile gegenüber Frauen – der Job sei zu hart, der Terrorismusbereich viel zu gefährlich für sie, außerdem würden sie weder von Arabern noch von Russen ernst genommen.

Dieses beliebte Argument wurde 2001 entkräftet, als der Doppelagent Oleg Gordiewsky, der 1985 vom KGB ins englische Lager wechselte, in einem BBC-Interview zugab, sich während tagelanger Befragungen in die britische Geheimdienstchefin Stella Rimington verliebt zu haben.

Stella Rimington war eine Revolutionärin im britischen Secret Service: Die Karriere des „Housewife Superspys“, wie die Briten sie nennen, ist einzigartig. Die heute 71-Jährige wurde von der Sekretärin zur mächtigsten Frau Englands der Nach-Thatcher-Ära (und zum Vorbild für „M“ in den neueren Bond-Filmen).

Sie begann 1965 als Bürokraft bei der MI5-Abteilung in Neu-Delhi, damals noch ein reaktionärer Altherrenclub aus Ex-Militärs, und schaffte es in ihrer 30-jährigen Karriere quer durch alle Ressorts des Geheimdienstes. Sie setzte durch, dass im Personalsystem des MI5 Frauen Männern gleichgestellt wurden. 1988 übernahm sie die Leitung der Terrorismusabwehr.

Wenige Tage später explodierte ein PanAm-Jumbo über dem schottischen Lockerbie; 270 Menschen starben. Unter Rimingtons Führung gelang es dem MI5, die Spur bis zum libyschen Geheimdienst zu verfolgen. 1992 wurde sie Generaldirektorin des MI5 und damit nicht nur die weltweit erste weibliche Leiterin eines Geheimdienstes, sondern auch eine Person des öffentlichen Interesses.

Bis dahin war ihr Beruf geheim – als ihre Freunde hörten, womit Stella sich seit 31 Jahren beschäftigt hatte, fielen sie aus allen Wolken. Nicht einmal ihre Töchter hatten eine Ahnung gehabt. Für sie arbeitete ihre Mutter bei einer Behörde. Rimington verließ den britischen Geheimdienst 1996. Seither schreibt sie Spionage-Bestseller.