„Der Bachelor“ inszeniert AttraktivitätWarum 22 Frauen auf einen Normalo stehen

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Diese 22 Frauen kämpften um Bachelor Christian.
Ein romantischer Tag am Strand, Wohnen in einer Villa, exquisites Essen und zur Krönung überreicht einem der Mann der Träume eine rote Rose. Oder auch nicht.

Verschmähte Liebe ist eigentlich frustrierend, führt in Formaten wie „Der Bachelor“ jedoch zu unterhaltsamen Skandalgeschichten. Es scheint absurd, dass sich Frauen vor aller Welt durch eine öffentliche Abfuhr demütigen lassen. 22 Frauen, unter ihnen Models und Akademikerinnen, buhlen trotzdem auch in diesem Jahr wieder um die Gunst eines Mannes: Christian.

Der Bachelor, der seinem Namen nach nur ein niederer Ritter ist, der sich auf dem schmalen Grad zum Raubritter bewegt, bestimmt einmal pro Woche über das Liebesschicksal der Damen. Brav warten sie auf ihrem Platz darauf aufgerufen zu werden, um dann für das Urteil vor ihn zu treten. Wer eine rote Rose bekommt, darf bleiben, die anderen packen ihre Koffer. Im Finale gewinnt dann die Eine den begehrten Platz an der Seite des Bachelor – und vielleicht auch sein Herz. Wie kann es sein, dass alle auf den einen Typen abfahren? Verfallen ihm die Frauen etwa, weil er so schwer zu haben ist?

Christian spielt mit „Hard-to-get“

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„Wolle Rose haben?“ Bachelor Christian kämpft mit den Gefühlen - und fehlendem modischen Sachverstand.

Dass Menschen, die unerreichbar scheinen, besonders attraktiv auf uns wirken, heißt auch „Hard-to-get-Phänomen“. Professor Hassebrauck beschreibt den Mythos in seinem Buch „Alles über die Liebe“ - und zerstört ihn teilweise. „Diese Attraktivitätssteigerung funktioniert nur, wenn jemand für die Anderen unerreichbar ist, uns aber zeigt, dass wir ihn haben können“, erklärt der Psychologe im AMICA-Online-Interview. Das ist genau der Trick des Bachelors. Er schafft es jeder der 22 Kandidatinnen das Gefühl zu geben, nur für sie greifbar zu sein. Da reicht auch einmal ein Augenzwinkern in die Runde, um allen 22 glauben zu machen, dass es nur für sie war.

Wenn er den Frauen nur das Herz stehlen würde, wäre es verzeihlich, vor allem weil es so romantisch klingt. Aber was ist mit der Selbstachtung? Emanzipation? Warum machen sich 22 Frauen so von der Gunst eines Mannes abhängig, der – wenn man alle seine Vorzüge extrem hervorhebt - gerade mal passabel ist?

Außer der Liebe gibt es genug andere Gründe. Gründe, die gut genug sind, dass sich die Teilnehmerinnen von Woche zu Woche auf eine Abschussliste setzen lassen. Und sich dabei überhaupt nicht fragen, warum sie so mit sich spielen lassen. Denn mal ehrlich, wäre er nicht „der Bachelor“, wäre er einfach nur ein Macho. Liegt es am Ende vielleicht gar nicht daran, dass sie mit sich spielen lassen, sondern selbst spielen?

Zickenkrieg und wilde Flirts - diese Frauen kämpfen und den Bachelor. Welche am Ende wohl sein Herz und die meisten Rosen erobert?Die Motive der Frauen

Es gibt laut Professor Hassebrauck zwei Typen von Kandidatinnen. Die eine ist eine „Spielerin“, für die das Ganze ziemlich unterhaltsam ist. Die andere sucht tatsächlich einen Partner.

Insgesamt stellt die Auswahl der Teilnehmerinnen, dem Experten zufolge, ein „bewusst inszeniertes Spektrum“ dar, denn es wäre langweilig, wenn alle Frauen „gleich groß wären und den gleichen Beruf hätten“. Dasselbe gilt wohl für die Motive der Kandidatinnen bei der Show mitzumachen. In anderen Worten, wurden die Frauen so ausgewählt, dass es ordentlich kracht und dabei gut aussieht.

Konkurrenzkampf gehört für beide Frauentypen dazu. Die eine tut es, um Aufsehen zu erregen – die andere, um seine Aufmerksamkeit zu bekommen. Um das zu erreichen, werden die Krallen ausgefahren. Während sie bei sich selbst die positiven Eigenschaften gezielt ins Licht rücken, rutscht ihnen über die Konkurrentinnen ganz aus Versehen das ein oder andere schmutzige Detail heraus. Das machen im wirklichen Leben, ganz nebenbei, auch Männer, wenn sie ihrer Erwählten flüstern, dass der Wagen von dem anderen Typen nur geleast ist.

Was die Frauen bekommen

Der Bachelor hat offensichtlich etwas zu bieten. (Gutes) Aussehen, Status, Medienpräsenz. Welche Frau sich wofür interessiert, ist reine Spekulation. Es sind die Kleinigkeiten, die die Kandidatinnen verraten. Da die inneren Werte des Bachelors zum Zeitpunkt der Bewerbung aber noch keine Rolle gespielt haben können, ist zumindest klar, dass alle 22 ins Fernsehen wollten. Das heißt aber nicht, dass sich die Teilnehmerinnen nicht unterschiedlich entwickelt hätten. Zumindest einige von ihnen wollen oder wollten ihn wirklich näher kennenlernen.

Für die geballte TV-Aufmerksamkeit jedenfalls sehen die Frauen über das ein oder andere Manko hinweg. Aber aus Sicht des Experten sollte man sich bewusst sein, dass das Format von „Der Bachelor“ eher mit „Big Brother“ oder „Dschungelcamp“ vergleichbar ist, als mit der aufrichtigen Suche nach Liebe.