Fremdgehen im NetzWenn Facebook zum Trennungsgrund wird

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Thomas ist jetzt in einer Beziehung mit Julia, Max lässt es offensichtlich mit mehreren Mädchen im Urlaub krachen, Amelie hat gerade ihren langjährigen Freund in Frankreich geheiratet – inklusive Brautjungfern, Meerblick, Traumkleid und einem glücklichen Strahlen.

Facebook verrät uns jeden Tag, wie es gerade um den Beziehungsstatus unserer Bekannten steht. 249 Freunde haben die deutschen Nutzer des größten sozialen Netzwerks im Durchschnitt. Und gerade weil das Privatleben dieser die beste Soap Opera ist (besonders peinlich: Freund eins ist nicht mehr in einer Beziehung mit Freund zwei) verbringt ein Großteil der 25 Millionen Facebook-Nutzer in Deutschland viel Zeit online, nämlich monatlich rund 227 Minuten.

Wie viel Einfluss das auf unser Liebesleben hat, zeigt die neue Umfrage der britischen Scheidungswebsite Divorce-Online.co.uk: Mehr als 33 Prozent der 2011 eingegangen Scheidungsanträge aufgrund bestimmter Verhaltensweisen beinhaltete das Wort „Facebook“. Die Top-Beschwerdegründe: unangemessene Nachrichten an User des anderen Geschlechts, fiese Kommentare unter den Posts von Ex-Partnern und Facebook-Freunde, die das Verhalten des Ehegatten anprangern.

Dass Facebook für eine Partnerschaft nicht gesund ist, erklärt die Paarberaterin Sigrid Sonnenholzer. „Facebook verursacht ein Zeitproblem, da Paare sowieso nur wenig Freizeit miteinander verbringen können“, so Sonnenholzer. Allein das könne schon für Streit sorgen. Auch sie hat in ihrer Praxis bei München schon mit Paaren gesprochen, bei denen die Facebook-Aktivität zum Trennungsgrund zu werden drohte.

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Jedoch ist der hohe Zeitaufwand nicht der einzige Konfliktpunkt der sozialen Netzwerke. „Wenn man mit dem Partner Streit hat, setzt man sich heute vor den Computer, geht ins Internet und versucht dort Kontakte aufzubauen, die zu Hause vielleicht fehlen“, erklärt die Therapeutin. Dies führe dazu, dass man sich dann nicht mehr mit dem Partner und einem Lösungsvorschlag beschäftige, sondern mit der Fantasie, dass es mit einem anderen Partner einfacher sein könne. Soziale Netzwerke verstärken das Gefühl der vielen Wahlmöglichkeiten extrem. Das behindere uns laut Sonnenholzer bei der Auseinandersetzung mit der bestehenden Partnerschaft.

Facebook als Partnerbörse

Auch kann Facebook zu verstärkter Eifersucht zwischen Partnern führen. „Facebook ist meiner Meinung nach in vielen Aspekten einer Partnerbörse sehr ähnlich“, so die Expertin. Oft reicht es schon, wenn ein Partner in solchen Netzwerken sehr viel Zeit verbringt. Denn wie Sonnenholzer bemerkt „schauen sich 30- bis 40-Jährige schon oft sehr gezielt auf solchen Seiten nach möglichen Partnern um“.

Vermutungen, dass der Partner im Netz „fremdgeht“, werden häufig dadurch verstärkt, dass man nur einen Teil von dem mitbekommt, was er dort tut: Warum ist er plötzlich mit einer unbekannten Frau befreundet? Wieso gefällt seiner Ex-Freundin sein neues Profilbild? Warum postet seine beste Freundin immer so zweideutige Kommentare unter seine Statusmeldungen?

So erklärt die Paarberaterin: „Wenn Ex-Partner im Thema Eifersucht sowieso schon eine Rolle spielen und dann immer wieder auf Facebook auftauchen, ist der Fantasie keine Grenzen mehr gesetzt.“

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Um falsche Vermutungen zu vermeiden, empfiehlt Sonnenholzer, auch auf die Zeiten der eigenen Facebook-Nutzung zu achten. „Wenn einer um zwei Uhr morgens alleine online geht, weil der andere schon im Bett liegt, wirkt das verdächtig“, erklärt die Expertin.

Auch wer dem anderen den Zugang zu seinem Profil verwehrt, nicht mit ihm „befreundet“ sein will und beim Blick über die Schulter nervös wird, weckt Misstrauen. „In meinen Sitzungen fällt mir häufig auf, dass Partner ihre Handys beispielsweise vor dem anderen sperren. Dabei erkennt man dann, dass jemand vorsichtig ist – mit oder ohne Grund“, so Sonnenholzer. Das sorgt laut der Therapeutin für Verwirrung.

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Gemeinsame Profile als Lösungsvorschlag

Sigrid Sonnenholzer empfiehlt daher Partnern, dass „man sich gemeinsam in sozialen Netzwerken aufhalten sollte“. Die Paarberaterin legt sogar gemeinsame Accounts nahe. „Das vermindert die Gefahr falscher Interpretationen und sendet ein geschlossenes Signal nach außen“, so die Expertin.

Ein extremer Lösungsvorschlag, der die Partner online zu einem „wir“ verschmelzen lässt. Wer lieber ein Individuum bleibt, sollte zumindest eine ähnliche Richtung einschlagen und die zwischenmenschlichen Neuigkeiten im Netz offen mit dem Partner kommunizieren. So stellt sich schnell heraus: Die neue Bekanntschaft ist nur eine Arbeitskollegin, den Kommentar der Ex unter der Statusmeldung findet der Partner selbst irre und er geht nur deshalb nachts online, weil er mit einem Freund in den USA chattet. Der Rest bleibt Vertrauenssache.

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Mark Keenan  |  01.10.2012 13:15
Wrong URL
The url is wrong it is http://www.divorce-online.co.uk please amend

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