Frida Gold im AMICA-InterviewMehr als Tagträumereien

von AMICA Online Redakteurin J'adore les Parisiennes!
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Emotionspop

Während der Frauen-Fußball-WM mischt sich ein Song zum Mitfiebern in die Fan-Hymnen: „Wovon sollen wir träumen“ wird die „Bilder des Tages“, die Zusammenschnitte der täglichen Höhepunkte, im ZDF untermalen. Die Band Frida Gold ist musikalischer Gast in „das aktuelle sportstudio“ und jetzt im Fußballfieber. Während sie im Tourbus unterwegs sind, wollen sich Frontfrau Alina Süggeler und ihre drei Jungs die Spielerinnen ganz genau anschauen. Immer wieder geht es zur WM um das Thema Weiblichkeit. Alina möchte gerne verspieltes Mädchen und starke Geschäftsfrau gleichzeitig sein. Ihr lässig-femininer Look beim Interview besteht aus Oberteil mit rosa Rüschen, schwarz-weiß gemusterter weiter Hose, rosa Plastikballerinas mit Peeptoe und Schleife. Zum tiefen Seitenscheitel trägt die Sängerin schwarze Smokey-eyes und rosa Nagellack.

AMICA Online: Was macht „Wovon sollen wir träumen“ WM-tauglich?
Alina Süggeler von Frida Gold:
Ich denke, dass der Song einfach sehr viel Power hat und die Menschen mitreißt. Im Text stecken sehr viele Emotionen, weil er in einer Zeit entstanden ist, in der ich nicht recht wusste, wohin mit mir. Ich habe mir viele Gedanken darüber gemacht, was ich in diesem Leben eigentlich will.

Und eine Antwort gefunden?
Ja, ich habe mittlerweile sehr gut zu mir gefunden. Vor allem aber finde ich, dass man nie aufhören sollte zu träumen. Das gehört für mich mit zum Sinn des Lebens.

Vielleicht träumen wir ja auch ein Sommermärchen während der WM. Deswegen habe ich mal den Playboy mitgebracht. Was sagen Sie zu den sexy Fotos der Fußballerinnen?
Wow, doch so freizügig. Ich dachte, es würde beim nassen Trikot bleiben. Ich hätte natürlichere Fotos, die nicht so inszeniert sind, schöner gefunden. Es geht ja auch um Sinnlichkeit. Erfolgreiche, zielstrebige, disziplinierte, ehrgeizige Frauen, wie sie es für diesen Job sein müssen, haben für mich immer eine gewisse Sexiness. Wenn sie wissen, was sie wollen und das auch durchsetzen, haben sie für mich sowieso schon eine tolle Ausstrahlung.

Also hätten sie sich dafür nicht ausziehen müssen?
Finde ich nicht. Was mich so ein bisschen wundert, ist dieses miteinander flirten. Da weiß ich nicht, was mir das sagen soll. Weil sie mit diesen Bildern ja nicht dem Klischee der lesbischen Fußballerin widersprechen. Trotzdem finde ich es insgesamt schön, dass sie ihre weibliche Seite zeigen.

Was gefällt Ihnen daran?
Ich denke, dass selbstbewusste Frauen oft zu hart eingeschätzt werden und gerade das Feminine, das Mädchensein sollte unterstützt werden.

Als Gegenpol zur taffen Businessfrau?
Genau, denn es ist als Frau – das merke ich als Frontfrau unserer Band auch immer wieder – schwierig einerseits seine Ziele durchzusetzen, im Männerbusiness auf offene Ohren zu stoßen. Andererseits das Mädchen in sich nicht zu verlieren.

Passiert es Ihnen gelegentlich, dass Geschäftspartner zuerst mit Ihren Bandkollegen sprechen?
Der erste Weg ist auf jeden Fall immer zu den Männern. Das ist der Kumpel-Effekt, glaube ich. Sie verbrüdern sich immer gleich. Aber vielleicht ist das bei Mädels auch so.

Also haben Sie als Frau mehr zu kämpfen?
Ja, wobei nicht mehr, in jedem Fall habe ich anders zu kämpfen. Wenn ich dann aber gehört werde, kommt es wirklich an und wird wahrgenommen. In der Kommunikation hat es wieder viel mit Emotionalität zu tun, wie spürt der andere das, was ich sagen möchte. Frauen sind manchmal hitziger, was bei Männern divenmäßig ankommt. Zwischen Männern und Frauen ist es immer schwierig.

Klar. Und unsere WM-Mädels werden noch dazu ständig mit den Männern verglichen.
Man muss einfach wie bei jedem Sport den richtigen Maßstab finden. Weil der weibliche Körper anders aufgebaut ist, die weibliche Art strategisch zu denken eine andere ist, muss man das von einer anderen Seite beleuchten. Bei dieser Männer-Frauen-Diskussion muss letztendlich die richtige Messlatte angesetzt werden. Nämlich nicht besser oder schlechter, sondern einfach anders.

Ihre weibliche Seite haben Sie auch schon sehr freizügig gezeigt und einmal gesagt, Sie fühlen sich nackt sehr wohl.
Nacktheit soll bei mir nichts primär Erotisches haben. Es geht mehr um ein Selbstverständnis mit dem eigenen Körper. Dass ich mich damit wohl fühle.

Zum Wohlfühlen spielt ja der Fotograf eine wichtige Rolle.
Ja, auf jeden Fall. Ich finde dann auch Bilder komplett ohne Wäsche viel reizvoller als in hochgeknöpften Dessous, die alles nach oben pushen.

Wie wäre es dann mal mit einem Playboy-Shooting?
Das habe ich gerade abgelehnt. Aber das sollte ich jetzt wahrscheinlich nicht sagen…

Wieso nicht?
Es erschien mir jetzt einfach nicht der richtige Zeitpunkt.

Auf der Frida Gold - Frida Gold erklärt Alina, warum es weiblich ist, sich die Haare abzuschneiden.

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