Essay Die Kunst des Haben-Wollens
Mit Wünschen ist das so eine Sache. Gehen sie in Erfüllung, ist das Leben meist nicht schöner als zuvor. Bleiben sie unerfüllt, macht das auf Dauer aber auch keinen Spaß. Wie kriegt man das Haben-Wollen in den Griff?
Text: Meike Winnemuth
© Composing: AMICA Online
Das Problem mit erfüllten Wünschen ist doch, dass die Wirklichkeit so entsetzlich hinter den Illusionen herhinkt. Jahrelang, manchmal jahrzehntelang hat man sich ausgemalt, wie es sein würde, wenn man dieses oder jenes hätte, dieses oder jenes wäre. Dann ist es eines Tages so weit, der Konjunktiv verwandelt sich in einen Indikativ, und was passiert? Schlagartig ist man nüchtern und verkatert zugleich. Und stellt fest: Die Erlösung, die Verwandlung, die Himmelfahrt, auf die man gehofft hat, findet nicht statt. Das Leben ist nicht wesentlich schöner als zuvor, die Birkin macht einen nicht zur Pariserin, der Saluki scheißt auf den Teppich, in einem Jaguar steht man im selben Stau wie früher im Golf. Und Beulen kriegt er auch. Es ist, wie der österreichische Kabarett-Gott Josef Hader so grundlegend wie desillusionierend feststellte, „alles immer so enttäuschend: die Kinder, die Liebe, die Akropolis – das Leben verliert so dadurch, dass man’s kennen lernt, finden S’ ned?“
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Die Kunst des Haben-Wollens















