Hat klassisches Dating ausgedient?Online-Lieben übertreffen "normale" Ehen

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„Ich glaube, dass sich in Zukunft jeder in einer bestimmten Phase seines Lebens einmal im Internet nach möglichen Partnern umschauen wird“, sagt Annabel Dillig, Autorin des teils durch Interviews und teils durch Selbsterfahrung geprägten Buches „Diesen Partner in den Warenkorb legen“. Sie ist sich sicher: Die Partnersuche im Internet habe ihr Stigma verloren. Millionen Menschen finden einander über Onlineplattformen. Aber das Kennenlernen im Internet ist nicht nur gesellschaftlich akzeptabel geworden, es scheint die bislang als „normal“ geltende Form des persönlichen Treffens sogar zu überholen.

Zumindest, wenn man einer neuen Studie glaubt. Dass Ehen, die aus einer Internetbekanntschaft hervorgehen, glücklicher sind und länger halten, wollen Psychologen der US-amerikanischen National Academy of Sciences herausgefunden haben. Zu diesem Ergebnis kamen die Wissenschaftler, nachdem sie 19 000 Ehepaare gefragt hatten, wie zufrieden sie in ihrer Beziehung seien. Auf einer Glücklichkeitsskala von eins bis zehn schnitten die Onliner mit der Durchschnittsangabe von 5,6 um 0,12 Punkte besser ab als die konventionellen Paare. Und auch die Scheidungsrate lag bei den Internet-Lieben nur bei sechs Prozent statt bei 7,6 Prozent.

„Menschen, die online nach dem Lebenspartner suchen, denken effizient. Das so genannte Matching-Verfahren ermöglicht es ihnen, viele Stolpersteine bereits vor dem ersten Kennenlernen aus dem Weg zu räumen“, begründet Psychologin Dr. Wiebke Neberich von der deutschen Online-Partneragentur Edarling die Ergebnisse. „ Sie treffen auf Menschen, die ähnlich ticken und dieselben Werte haben, eine ganz wichtige Grundvoraussetzung für eine langfristige Beziehung. Wer heutzutage seinen Partner im Internet sucht, ist nicht verzweifelt, sondern zielorientiert.“ Genau hier sehe sie den Erfolg des Online-Datings. Wer offline einen attraktiven Menschen treffe, benötige Tage, um herauszufinden, was ihm wichtig sei. Bei Online-Paaren stimme diese Chemie sofort. „Im Grunde müssen Sie nur noch über die Zahl der Kinder und den gemeinsamen Wohnort diskutieren. Daher heiraten Online-Paare auch schneller und gründen auch wesentlich schneller eine Familie“, so Neberich weiter.

Auch Annabel Dillig erklärt: „Untersuchungen belegen zwar, dass man beim Online-Dating oberflächlich agiert, weil man nur wegen eines Bildes auf ein Profil klickt. Aber eine Studie aus New York kam zu dem Ergebnis: ‚Die zunächst herrschende Anonymität bei der Anbahnung im Netz fördert das Entstehen stabiler Partnerschaften. Weil man ungehemmter und schneller über tiefergehende Themen spricht.‘ Der Wunsch nach Gleichheit ist groß.“

Deutsche Wissenschaftler sind jedoch skeptisch, was die neue Studie anbelangt. So kritisierte Kai Dröge, Soziologe an der Universität Frankfurt am Main gegenüber der Nachrichtenagentur „Dpa“, dass der Auftrag vom Online-Dating-Anbieter Eharmony stamme und ruft bei der Interpretation der Ergebnisse zu Zurückhaltung auf. „Die Unterschiede in der Zufriedenheit und der Trennungsrate erscheinen mir als zu gering, um wirklich sagen zu können, dass Beziehungen, die online ihren Auftakt genommen haben, letztlich erfolgreicher sind als andere", sagt er.

Es gibt also vielleicht doch noch eine Zukunft für die Liebe auf den ersten Blick - in der Realität.



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