Interview mit Jessica Schwarz „Wodka-Wichteln hat bei mir Tradition“

 

Jessica Schwarz spielt die Mutter in einem Weihnachtsfilm. Mit AMICA Online sprach sie über feuchtfröhliche Adventsrituale, Liebesbeweise und verriet, warum sie unbedingt selbst Kinder will.
Text: Veronika Schaller
© Mercedes-Benz Fashion Week Berlin
Es ist Freundschaft auf den ersten Blick. Wer Jessica Schwarz trifft, möchte mit ihr sofort durch unzählige Bars ziehen oder irgendwo ein Pferd stehlen. Wenn die 34-Jährige lacht, dann funkeln ihre Augen verbündend. Star-Allüren? Fehlanzeige. Dabei hätte die Schauspielerin allen Grund für selbige, seit sie 1993 die Wahl zum „Bravo“-Girl gewann.

Nach einer Moderatorinnenkarriere beim Musiksender „Viva“, gab sie 2000 ihr Schauspieldebüt in „München – Geheimnisse einer Stadt“. Filme wie „Die Freunde der Freunde“, „Kammerflimmern“, „Das Parfum – die Geschichte eines Mörders“ und „Buddenbrooks“ machten sie bekannt und brachten ihr unter anderem auch den Bambi als „Beste nationale Schauspielerin“ ein.

Für die Verfilmung von Cornelia Funkes Kinderroman „Als der Weihnachtsmann vom Himmel fiel“ schlüpfte Jessica Schwarz jetzt in die Rolle einer Mutter, die alle Hoffnungen der Familie in eine Konfiserie legt – während ihr Sohn den letzten echten Weihnachtsmann entdeckt. Mit AMICA Online sprach sie über Muttergefühle, romantische Weihnachten und die Liebe zu ihrem Freund, genau wie über ihre kindliche Abenteuerlust und Trinkfestigkeit.
© APN
Jessica Schwarz auf der Aftershow-Party der „Goldenen Kamera“ 2010
AMICA Online: Immer öfter spielen Sie jetzt Mütter. Fühlen Sie sich dafür nicht zu jung?
Jessica Schwarz: Mir gefällt das super. Obwohl ich schon denke: „Ich bin doch erst 34 Jahre alt, wie soll ich da bitte ein elfjähriges Kind haben?“. Aber aus dem Blickwinkel der Kinder bin ich uralt. Wahrscheinlich spiele ich in zehn Jahren schon die Omas.

Sie wirken wie eine Frau mit Draht zu Kindern.
Richtig. Weil ich die unvermittelte Art von Kindern liebe und mich gerne mit ihren Fantasien auseinandersetze, stimmt meist die Chemie. Als ich klein war, habe ich oft innere Monologe mit Menschen geführt und sie angeschrien. Manchmal folge ich Kindern heute noch auf ihren Kopfkinoreisen.

Denken Sie kindlich?
Ja. Ich schaue auch gerne Kinderfilme. Für animierte Sachen wie „Ratatouille“ – ganz entzückend – oder das Wüstenchamäleon „Rango“ gehe ich sogar ins Kino.
© Constantin Film
Jessica Schwarz mit ihrem Filmsohn in „Als der Weihnachtsmann vom Himmel fiel"
Wann kamen beim Dreh Muttergefühle auf?
Berührt hat mich etwa die Szene, in der die Mutter ihrem Sohn zum Trost einen Kakao macht. Da hatte ich beim Lesen des Drehbuchs sofort ein Bild im Kopf. Die warme, mollige Backstube, alle Probleme sind ausgeschlossen und man erklärt seinem Kind etwas. Das ist doch auch der Grund, warum man Mutter werden möchte: Man hat so viel erfahren und möchte sein Wissen weitergeben.

Sie denken also an Familienplanung?
Natürlich. Ich will auf jeden Fall Kinder!

Gleich mehrere?
Das weiß ich noch nicht genau. Mal sehen wie es mit dem Ersten läuft. Dass meine Schwester wieder ein Kind bekommt, ist für mich übrigens das Highlight des Jahres. Es ist schon ihr Drittes und sie ist nur drei Jahre älter! Jetzt muss ich mich echt ranhalten. (lacht)

Wie wird Ihr Kind, wenn es nach Ihnen schlägt?
Oh je. Meine Mutter sagt immer: „Ich wünsche dir ein Kind, wie du es warst“. Ich war nämlich ziemlich rabaukig. Ein Trotzkopf. Von diversen Mutproben zeugen heute noch vierzehn Narben.

Was haben Sie denn angestellt?
Meine fieseste Nummer sah so aus: Hundekacke in Zeitungspapier packen, den bösen Nachbarn vor die Tür legen, anzünden und klingeln!
© Mercedes-Benz Fashion Week
Wie nett. Vor dem denkmalgeschützten Vier-Zimmer-Hotel in Michelstadt, das Sie heute mit Ihrer Schwester betreiben, sollen Sie sich früher gefürchtet haben …
Ja, das „Spukhaus“ war total marode und baufällig. Ich habe immer durch die uralten Fensterläden gelinst, um mir die Spinnweben und verstaubten Möbel anzusehen. Das war hochinteressant für eine Gespensterfanatikerin wie mich. Ich las damals auch Gruselheftchen im Brauereiladen meiner Eltern und sah mir Särge in der Gruft an.

Klingt aufregend. Auch heute ist Ihr Lebensmotto noch „jeden Tag ein Abenteuer“, oder?
Es ist lange her, dass ich das gesagt habe. Aber tatsächlich ist für mich der Weg das Ziel und ich suche mir den spannendsten Weg aus. Damit treibe ich meine Mitmenschen manchmal in den Wahnsinn.

Das wollen wir jetzt genauer wissen.
Gerade baue ich zum Beispiel ein fünftes Gästezimmer für die „Träumerei.“ Dafür fahre ich mit einem Sprinter in die Beneluxländer, um auf Antikmärkten einzukaufen. Das ist meine Leidenschaft! Als ich kürzlich für einen Film in Paris war, habe ich zum Beispiel einen alten Vogelkäfig aus Napoleon-Zeiten gefunden und werde daraus eine Lampe basteln.
© Constantin Film
"Als der Weihnachtsmann vom Himmel fiel“, nach einem Roman von Cornelia Funke, startet am 24. November 2011 in den deutschen Kinos.
Wenn Sie selbst Kinder haben – wie werden Sie mit der Weihnachtsthematik umgehen?
Also bei uns kommt traditionell das Christkind und nicht der Weihnachtsmann. Ich finde sehr schön, wie meine Eltern das inszeniert haben: Das Kristallglöckchen klingelte und dann stand das Fenster einen Spalt breit offen. Irgendwann werden meine Kinder wohl selbst darauf kommen, dass es das Christkind gar nicht gibt. Dann werde ich ihnen natürlich die Wahrheit erzählen.

Was passiert bei Ihnen noch an Weihnachten?
Seit es die „Träumerei“ gibt, veranstalten wir am 23. Dezember eine riesige „Home Coming“-Party für alle Heimkehrer mit riesigen Eisbars. Letztes Jahr habe ich vier Stunden lang Eis gehackt und bin erst um fünf Uhr ins Bett gekommen. Ein Wahnsinn.

Es heißt, Sie seien sehr trinkfest.
Mag sein. Wodka-Wichteln hat bei mir und sieben meiner Berliner Freundinnen Tradition. Dieses Jahr treffen wir uns am 20. Dezember. Als noch keine von uns Kinder hatte, gab es 45 Minuten lang nur Alkohol. Mittlerweile trinken viele Limonade. Es wird gewürfelt und je nach Zahl muss man sein Geschenk entweder weitergeben oder das Glas leeren.

Sehr feuchtfröhlich!
Allerdings. Letztes Jahr konnten wir in unserem Zustand nicht einmal mehr ausgehen.
Und wie dürfen wir uns Heiligabend bei Ihnen vorstellen?
Am Morgen des 24. Dezember macht meine Familie ein Weißwurstessen für Freunde und Kunden in der Brauerei. Sobald die draußen sind, ziehen sich alle zurück, um die Geschenke einzupacken – ich habe in dieser Beziehung übrigens zwei linke Hände. Dann wird der riesige Weihnachtsbaum ganz traditionell mit Strohsternen und allem Drum und Dran geschmückt. Abends reflektieren wir dann die Ereignisse des Jahres gemütlich bei Fondue.

Sie sind also Weihnachts-Fan?
Ja, ich liebe Weihnachten! Eben weil die ganze Familie zusammenkommt und am 25. Dezember auch unsere Brauerei geschlossen hat – das passiert sonst nur noch am 1. Januar. Wir haben dann alles für uns, können endlich mal ausschlafen und gemeinsam frühstücken. Danach gibt’s den traditionellen Spaziergang – bestenfalls im Schnee – dann sieht Michelstadt nach kitschiger Postkarten-Idylle aus

Sind Sie ein romantischer Typ?
In dieser Hinsicht schon, aber grundsätzlich ist meine ganze Familie eher pragmatisch. Die Schwarz-Schwestern sind keine Frauen der romantischen Töne. Ich mache nicht die Kerzen an, wenn ich baden gehe.
© Getty Images
Jessica Schwarz mit Freund Markus Selikovsky beim Berliner Filmfestival im Februar 2011
Es müsste also kein romantischer Heiratsantrag sein?
Oh nein, bitte gar kein Heiratsantrag! Kinder ja, aber keine Hochzeit.

Wie sieht es sonst mit Liebesbeweisen aus? Sie haben doch mal Gedichte geschrieben.
Meinem Freund (Anm. d. Red.: Kameramann Markus Selikovsky) hinterlasse ich in unserer Wiener Wohnung manchmal kleine Botschaften an der Tafel oder am Badezimmerspiegel. Und wenn ich wegfahre, verstecke ich kleine Überraschungsgeschenke. Zum Beispiel habe ich schöne Bilder von mir in einer Zeitschrift entdeckt, die wir beide noch nicht gesehen hatten. Ich habe sie ausgeschnitten, Sprechblasen dran geklebt und ihm etwas Nettes hineingeschrieben.

Mit was überrascht er Sie?
Mit seiner typisch wienerischen, sehr charmanten Art. Ich bin immer wieder erstaunt, wenn er mir die Tür aufhält und mir aus dem Mantel hilft. Auch sein Dialekt gefällt mir.

Sehen Sie sich denn dieses Jahr zu Weihnachten?
Dieses Jahr feiert er zum ersten Mal mit mir bei meiner Familie, die er natürlich schon kennen gelernt hat. Aber Weihnachten gemeinsam zu verbringen ist trotzdem spannend.

Was steht eigentlich auf Ihrem Wunschzettel?
Grundsätzlich schenke ich viel lieber, als mir etwas zu wünschen. Schon seit Anfang November habe ich alle Präsente beisammen. Was ich wirklich gebrauchen kann, ist Ruhe und Zeit. Dieses Jahr stand ich für drei Filme vor der Kamera und konnte nur Kurzurlaube machen. Ich würde sehr gerne bald nach Südafrika reisen.

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