KolumneEine Frage des Egos?

Ohne Kompromiss geht es nicht in der Partnerschaft. Aber was passiert bei Themen, in denen ein Mittelweg einfach nicht möglich ist? Ist die Trennung dann der einzige Ausweg?

Eine Beziehung kann so einfach sein, so lange beide Partner das Gleiche wollen. Doch was passiert, wenn die Vorstellungen auseinander gehen? Kompromissbereitschaft ist dann essenziell, aber wie weit sollte sie gehen?

Natürlich wirft keiner gleich bei der ersten Unstimmigkeit die Flinte ins Korn. Wer einige Erfahrung in Partnerschaften sammeln konnte, weiß, dass es immer währende Harmonie zwischen zwei Menschen nicht gibt. Vielmehr haben wir wohl alle gelernt, dass es in der Liebe ohne Kompromisse einfach nicht geht. Also werden die eigenen Interessen mühsam ein wenig zur Seite gerückt, in der Hoffnung, dahinter den goldenen Mittelweg zu erspähen.

Doch wie viel Nachgeben ist gesund? Wo hört die gesunde Portion Anpassungsfähigkeit auf und fängt die Verleugnung der eigenen Ideale an? Und: Ist Selbstlosigkeit eigentlich eine Stärke oder eine Schwäche? Immerhin lebt eine Beziehung davon, dass man sets auch an den anderen denkt und das innere Ego in seine Schranken verweist. Manchmal tun wir das gerne, doch oft ist es lästig und manchmal sogar ziemlich schmerzhaft.

Denn je älter wir werden, umso schwer wiegender erscheinen die Fragen, um die es sich dabei dreht. Habe ich mich mit meiner Jugendliebe noch darüber gezofft, wer bei wem übernachtet und ob wir getrennt oder gemeinsam Urlaub machen, stehen jetzt Fragen im Raum wie: Familie gründen oder nicht? Bausparvertrag oder Luxuschlitten? Plötzlich stellen völlig unterschiedliche Lebensentwürfe die traute Zweisamkeit auf eine harte Probe. Dann geht es nämlich nicht nur darum, dass ein Partner seine Meinung eben geändert hat oder manches noch nie ausreichend diskutiert wurde. Vielmehr schleicht sich der Zweifel ein, ob die Beziehung so überhaupt noch Sinn machen kann.

Keiner stellt dem Partner gleich die Koffer für die Tür, wenn er zu verstehen gibt, dass er ein Jahr lang durch die Welt gondeln möchte, während man selbst daran denkt, sesshaft zu werden. Dennoch: In manchen Fällen ist ein Kompromis einfach nicht möglich, besonders, wenn es um Dinge geht, die die eigenen Ideale in Frage stellen. Will er keine Kinder und sie am liebsten fünf, lässt es sich schwer auf zwei einigen. Findet sie Erfüllung in ihrer 60-Stunden-Woche, während er sich nach der heimischer Fürsorge sehnt, wird es ebenfalls kompliziert.

Bleibt also nur die Trennung, wenn sich die Interessen auseinander entwicklen? Oder ist mit viel Flexibilität der Spagat zwischen den Vorstellungen überbrückbar, wenn in der Partnerschaft sonst alles stimmt? Eines ist immerhin gewiss: Die Opfer müssen auf beiden Seiten gebracht werden, damit Selbstlosigkeit nicht zur Selbstverleugnung wird.