Der Expansive Schütze
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Hochgestochene Pläne, weit gespannte Ziele: Der Schütze ist ein Mensch, den es zu immer neuen Zielen drängt. Er ist offen und herzlich, kreativ und gebildet – ein Renaissance-Mensch, für den Konventionen nicht gelten. Mitten in einem Meeting startet er eine philosophische Debatte, weil ihn brennend interessiert, was Sie über Lao Tse denken. Sein Enthusiasmus ist ansteckend, man folgt ihm gern. Karriere findet er ganz nett, weil er dann ein bisschen Hof halten oder ein paar schöne Ideen in die Tat umsetzen kann. Aber es gibt noch andere Dinge, die man machen kann. Das Leben ist leider endlich. Drum ist der Schütze auch ganz schnell wieder woanders.
SEINE MOTIVATION
Auf dem Weg sein. Manchmal gibt es ein Ziel, zum Beispiel den Sinn des Lebens, Gott oder seinen Guru finden. Manchmal ist der Weg das Ziel.
SEINE STÄRKEN
Der Schütze denkt Ressourcen-orientiert: Ungewöhnliche Ideen bügelt er nicht ab, sondern weckt das Gefühl, dass sich ein Versuch lohnt. Er ist der Erfinder des Spruchs „think big“, weil er gern viel von allem hat. Mainstream interessiert ihn nicht. Vorhersehbarkeit auch nicht. Das macht ihn zu einem wertvollen Mitarbeiter, wenn es darum geht, etwas neu zu positionieren oder einer Firma ein neues Image zu verpassen. Er ist ein Optimist und ein Glückskind, dem der Zufall immer wieder aus der Patsche hilft.
SEINE SCHWÄCHEN
Großspurigkeit, übertriebenes Pathos, laute, peinliche Auftritte und seine an verbale Diarrhö grenzende Angewohnheit, Gedanken einfach so auszusprechen, wie sie ihm durch den Kopf schießen, können den Schützen zu einem gewöhnungsbedürftigen bis anstrengenden Kollegen machen. Er ist schwer zu bremsen und unkalkulierbar.
WIE MAN MIT IHM KLARKOMMT
„Oh, meine Liebe, dein Doppelkinn finde ich nicht so schlimm. Du siehst doch fabelhaft aus mit deinen 42 Jahren!“ Sie sind 38 und verspüren das dringende Verlangen, Ihre Schütze-Kollegin zu erwürgen. Wieso? Sie hat Ihnen doch ein Kompliment gemacht, genau genommen sogar zwei. Takt, Diplomatie, Feingefühl sind nicht in ihrem kosmischen Programm vorgesehen. Um einen Schützen zu ertragen, braucht es enorme geistig-seelische Elastizität. Als Hardcore-Optimist neigt er dazu, alles zu positiv zu sehen, zu viel zu versprechen („Easy, das schaffen wir !“). Wenn es dann eng wird, ist er gerade in London oder Tokio („Wichtige Kontakte, den Rest schafft ihr doch locker ohne mich!“). Dann stehen Sie da, allein. Verlassen Sie sich nie hundertprozentig auf ihn, haben Sie immer einen Plan B in der Schublade. Kann aber auch sein, dass Sie das Projekt tatsächlich in der knappen Zeitspanne gestemmt kriegen, motiviert von der Schütze-Überzeugung: Nichts ist unmöglich. Ein Schütze ist immer auch ein kleiner Kreuzritter, der Ihnen in den unpassendsten Momenten langatmig seine Lieblingstheorien auseinander setzt. Derweil brennt zwar die Hütte, aber das macht ihm nichts aus. Er ist nachlässig, sorglos und dabei von heiterem Gemüt. Gehen Sie ihm aus dem Weg, wenn volle Kaffeebecher auf dem Tisch stehen: Seine weiträumige Motorik lässt ihn dauernd etwas umstoßen. Er kennt keine Grenzen, setzen Sie ihm welche mit pädagogisch wertvoller Konsequenz: Loben Sie kräftig, wenn er etwas richtig gemacht hat, und sagen Sie ihm freundlich, aber bestimmt, wenn er etwas verbockt hat. Im Kontakt mit einem Schützen kann man etwas sehr Wichtiges lernen: gesunden Egoismus. Sie wollen ihn einladen? Großartig! Schützen lieben Feste, Essen, Trinken, Gespräche.
BERÜHMTE SCHÜTZEN
Ludwig van Beethoven (erhabene, pathetische Musik), Willy Brandt (fortschrittsgläubig), Brad Pitt, Kim Basinger (groß, blond, sportlich – typische Schütze-Merkmale), Alice Schwarzer (feministische Amazone).
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