Der Gärtner Stier

S. 3/13

 

SO IST ER IM JOB
Woran erkennt man einen Stier? An seinen einsilbigen Antworten: „Ja.“ „Nein.“ „Hm.“ „Danke.“ Verbales Showdown ist nicht sein Ding. Bringt ja auch nichts, findet er. Es ist sinnvoller, Dinge zu tun, statt drüber zu reden. Er ist praktisch, realistisch, entschlossen und BEHARRLICH! Das Karriereziel, das er ins Auge gefasst hat, verfolgt er. Stur, unbeirrt und geduldig. Er ist eine Art Karriere-Gärtner, der weiß, dass die Dinge Zeit zum Wachsen brauchen, dass man Connections pflegen, Kollegen und Chefs mit Liebenswürdigkeit düngen und sich von hemmendem Unkraut freundlich, aber bestimmt trennen muss. Bis man man da ankommt, wo man sein will.

SEINE MOTIVATION

Sicherheit, Besitz, Genuss. Er liebt sein Geld, seine Familie, sein Haus, sein Konto. Was er hat, das hegt und pflegt er und kann sich daran immer wieder aufs Neue erfreuen. Deswegen braucht er auch keine Veränderungen.

SEINE STÄRKEN

Ein Stier kann warten. Das ist sehr ökonomisch, weil sich ja vieles von selbst erledigt. Als netter Mensch tut er Dinge in netter Form. Ja, er ist geduldig und friedfertig, aber wenn Sie diese Eigenschaften überstrapazieren, kann er wütend werden. Er ist der Erfinder des gesunden Menschenverstandes und erledigt Aufgaben sorgfältig – eine nach der anderen. Multi-Tasking verwirrt ihn, er ist eher der solide Abwickler. Er hat keine Ego-Probleme und arbeitet gern im Team. Seine ruhige Art ist Balsam für hektische Seelen.

SEINE SCHWÄCHEN
Seine ruhige Art ist Balsam für hektische Seelen? Diese Ruhe kann aber auch das Anzeichen von Trägheit oder Sturheit sein, die Sie in den Wahnsinn treiben. Es eilt und der Stier hat die Ruhe weg! Es muss etwas geschehen und der Stier sagt: „Haben wir doch noch nie so gemacht!“ Er kann schlecht abstrahieren, braucht oft so viel Sicherheit, dass er dem Reiz des Vertrauten völlig erlegen zu sein scheint. Er verwechselt Sein mit Haben und hat Angst davor, etwas von seinem Besitz abgeben zu müssen oder zu verlieren. Deswegen verteidigt er das, was er hat, mit wilder Entschlossenheit.

WIE MAN MIT IHM KLARKOMMT
Im Umgang mit dem Stier gibt es zwei Zauberwörter: Zeit und Revier. Der Stier braucht beides. Drängeln Sie nicht, das steigert seine Sturheit. Wenn ein Vorgang eilt, appellieren Sie an seinen gesunden Menschenverstand und dann lassen Sie ihn in Ruhe, sein Pflichtbewusstsein wird siegen. Risiken tun ihm fast körperlich weh. Verletzen Sie nie sein Revier, indem Sie etwa ungefragt Aufgaben übernehmen, die in seinen Bereich gehören oder indem Sie hektisch, ohne anzuklopfen, in sein Zimmer stürmen und anfangen, ihm die Sachlage auseinander zu setzen, bevor Sie „Guten Morgen!“ gesagt haben. Kommen Sie niemals auf die Idee, sich irgendetwas ungefragt von seinem Schreibtisch zu borgen. Wenn Sie ihn allerdings um etwas bitten, wird er Ihnen großzügig helfen. Nutzen Sie seine Geduld und Freundlichkeit nicht aus: Sie haben bei einem Stier nur genau eine Chance. Chefs, aufgepasst: Für einen Stier bedeutet Geld Anerkennung, nur für gute Worte ist er nicht zu haben. Einen Stier einladen? Unbedingt rechtzeitig und mit Stil. Stiere sind Ästheten und Genießer (gutes Essen, guter Wein). Sushi vom Fließband ist definitiv die falsche Option.

BERÜHMTE STIERE

Königin Elizabeth II (die haut nichts vom Thron), Johannes Brahms (Stiere lieben Musik), Udo Lindenberg (Stier-Mantra: Nur keine Panik!), George Clooney (Stil-Ikone, männlich), Audrey Hepburn (Stil-Ikone, weiblich).
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