Der Querdenker Wassermann

S. 12/13

 

SO IST ER IM JOB
Ein Wassermann schert sich nicht darum, was „man“ macht, er sucht nach neuen Wegen und Erkenntnissen. Er ist allergisch gegen Ungerechtigkeit, Seilschaften und verkrustete Strukturen und bringt frischen Wind in die Firma. Als radikaler Demokrat holt er sich die Meinung der Putzfrau genauso ein wie die der Führungsriege. Wenn (!) er Lust auf Karriere hat, dann, um seine Ideale zu verwirklichen. Oder er spielt das hoch begabte Enfant terrible, um zu zeigen, dass er was Besonderes ist. Ist er ja auch.

SEINE MOTIVATION
Freiheit und Veränderung. Manchmal um ihrer selbst willen. Manchmal um hoher Ideale willen. Manchmal aus purer Lust am Widerspruch.

SEINE STÄRKEN
Macht braucht er nicht, Titel auch nicht. Ein Wassermann verstrickt sich nicht im Netz der Jasager-Hierarchien und gegenseitigen Gefälligkeiten. Er ist unbestechlich und innerlich unabhängig. Eigenwillig, neugierig, voller geistiger Offenheit und von wildem Freiheitsdrang besessen lebt er nach seinen eigenen Gesetzen. Er glaubt daran, dass alle Menschen Brüder sind, ist aber keiner, der sich schnell verbrüdert. Dabei ist er erfrischend vorurteilsfrei, gesellig, amüsant und auf distanzierte Weise mitfühlend. Er wird sich immer für die Schwächeren in der Firma und in der Gesellschaft einsetzen.

SEINE SCHWÄCHEN
Antihaltung um jeden Preis: Die notorische Rebellennummer wirkt auf alle Beteiligten Kräfte zehrend und ist einem kontinuierlichen Arbeitsablauf abträglich. Es fehlt ihm gelegentlich an Bodenhaftung, sein größter Nachteil ist, dass er das Wort für die Tat nimmt. Wenn er sagt: „Ich kümmere mich um die Statistik der letzten Abverkäufe“, muss das nicht heißen, dass er es tatsächlich tut. Etwas ausgesprochen zu haben ist für ihn so gut, wie etwas getan zu haben. Im Zweifelsfall vergisst er es sowieso.

WIE MAN MIT IHM KLARKOMMT

Wassermänner sind vor allem eins: irgendwie anders. Nicht durchgängig in allen Lebensbereichen, aber jeder findet etwas, wo er einfach widersprechen muss. Schon aus Prinzip. Ein beliebter Satz von Sekretärinnen mit Wassermann-Einschlag lautet: „Seh ich ja gar nicht ein, dass ich … tun soll. Das kann der Chef selber machen.“ Dafür sind sie mehr als bereit, Arbeiten zu übernehmen, die gar nicht zum Ihrem Jobprofil gehören. Erwarten Sie von einem Wassermann nicht, dass er das tut, was Sie mit ihm besprochen haben. Tun Sie’s lieber selbst. Wassermänner leben in ihrer eigenen gedanklichen Welt. Folge: partielle bis totale Geistesabwesenheit. Achten Sie darauf, dass Ihr Wassermann Ihnen beim Reden in die Augen schaut, dann sind die Chancen größer, dass er mitbekommt, was Sie sagen. Er ist auch nicht der geborene Papierstau-Entferner: Halten Sie ihn von praktisch-schnöder Alltagsarbeit fern (neue Technologien sind eher sein Ding). Nutzen Sie seinen Kopf! Der ist eine geniale Mischung aus Kreativpool und Großarchiv. Ein Wassermann kennt unglaubliche Mengen von Leuten, deren beruflichen -Werdegang, Privatleben, Hobbys inklusive lustiger Anekdoten. Dabei interessiert ihn Klatsch gar nicht, er ist nur enorm neugierig. Wassermann-Chefs sind eher selten, falls Sie einen haben, hilft es, ihn als Überraschungsei zu sehen und auf alles gefasst zu sein. Wenn Sie ihn bekochen, dann servieren Sie ihm statt eines schweren Fünfgängemenüs lieber Fingerfood und Ihre witzigsten Freunde.


Nikolaus Kopernikus (fand heraus, dass die Erde um die Sonne kreist, nicht umgekehrt), Charles Darwin (bootete Gott aus, indem er behauptete, der Mensch stamme vom Affen ab), Justin Timberlake, Jennifer Aniston.
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