Der Seelenvolle Krebs

S. 5/13

 

SO IST ER IM JOB
Der Krebs geht nie direkt aufs Ziel los. Wie in der Natur arbeitet er sich seitwärts heran, unterbrochen von Perioden, in denen er sich in seiner Schale verkriecht. Früher oder später bekommt er, was er will (wohl eher später), und lässt es dann nicht mehr los. Sie trauen Ihrer ach so niedlichen Kollegin, die immer so sensibel reagiert, einen Chefposten nicht zu und machen sich selber Hoffnungen drauf? Alles Tarnung. Sie führt schon seit Wochen Gespräche und nächsten Montag wird verkündet, dass sie jetzt Ihre Vorgesetzte ist. Von der lieblichen Krebs-Performance (auch bei Männern) sollte man sich nicht in die Irre führen lassen. Ein Krebs kann hammerhart und berechnend sein, wenn es um seinen Vorteil und seine Kariere geht.

SEINE MOTIVATION
Geld und Sicherheit. Ein Krebs braucht viel Kohle, um sich ein schönes Nest zu basteln, in das er sich mit seiner Familie (wichtig!) vor der Welt zurückziehen kann. Je mehr Geld, desto gemütlicher und sicherer.

SEINE STÄRKEN
Krebse sind Menschen, die weinen können. Egal ob Männlein oder Weiblein – ein Krebs hat eine große, zarte Seele. Der Krebs schwimmt in Emotionen und kann Menschen, die er schätzt, das Gefühl geben, mehr als nur eine Nummer zu sein. Krebse sind fürsorglich, mitfühlend und haben immer Schokolade in der Schreibtischschublade. Und können verbissen schuften. Ihrem ansteckenden Lachen kann man einfach nicht widerstehen. Absolut genial sind Krebse darin herauszufinden, was andere Menschen brauchen – sie haben ein geradezu unheimliches Einfühlungsvermögen.

SEINE SCHWÄCHEN
Ein Krebs kann austeilen, Ihnen ein schlechtes Gewissen machen ohne Ende, aber er kann nicht einstecken. Er ist kein guter Verlierer und setzt seine Umgebung mit Gefühlen unter Druck, zur Not auch durch Tränen. Oder er bringt Sie dazu, sich um ihn zu kümmern, ihm Arbeit abzunehmen, und am Montag erzählt er Ihnen dann, dass er das ganze Wochenende mit Freunden abgefeiert hat. Völlig kryptisch sind auch die Launen eines Krebses, sie können stündlich wechseln. Der Versuch, sie zu ergründen, ist sinnlos.

WIE MAN MIT IHM KLARKOMMT
Krebse machen den Arbeitsplatz zu ihrem Zuhause. Da muss man sich mit allerhand Nippes arrangieren. Lästern verboten – ein Krebs kann sehr nachtragend sein. Krebse haben ein ausgeprägtes Bauchgefühl, dem sie mehr vertrauen als ihrem Verstand. Vergessen Sie deswegen alle Ansprüche an Logik und Objektivität. Gehen Sie ruhig mit auf die Gefühlsebene, sagen Sie „Mein Bauch sagt mir, dass …“ statt „Ich denke, dass …“. Schildern Sie ihm in bunten Farben alle psychologischen Vorteile, lassen Sie die Fakten nur am Rande einfließen. Krebse neigen zu Wunschdenken (Motto: Weil nicht sein darf, was nicht sein kann). Nehmen Sie ihm seine Träume nicht abrupt, sonst verkriecht er sich. Krebse können mit Kritik nicht gut umgehen: Sie stecken immer so viel Gefühl in ein Projekt, dass sie jede Kritik an der Sache als Kritik an ihrer Person auffassen. Wenn Sie ihn kritisieren müssen, weisen Sie deutlich darauf hin, dass er sich persönlich phantastisch engagiert hat, dass nur die Sache einen klitzekleinen Haken hat. Krebse werden unterschwellig von Ängsten und Unsicherheiten geplagt, geben Sie ihnen das Gefühl, dass Sie hinter ihnen stehen. Wenn Sie Ihren Chef einladen, lassen Sie ihm das Wort, wenn er erst mal warm gelaufen ist, ist er ein brillanter Unterhalter. Bei allem: Unterschätzen Sie niemals den Führungsanspruch eines Krebses! Er will auf den Chefposten – auch wenn es Ihrer ist.

BERÜHMTE KREBSE

Antoine de Saint-Exupéry (Autor von „Der kleine Prinz“ – man sieht nur mit dem Herzen gut), die Rockefellers (Krebse sammeln, auch Geld), Isa-belle Adjani (mädchenhaft), Günther Jauch (mitfühlender Adoptivvater).
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