Beach BoysSommerphantasien

Strandjungs

Manchmal fliege ich übers Wochenende ans Meer. Ich brauche das. Ich will einfach nur am Strand sitzen, den Wellen beim Rauschen zuhören, Salzgeruch einatmen, warmen Sand zwischen meinen Zehen spüren und lachenden Kinderstampeden hinterherschauen. Und ich will den Jungs zugucken. Nach so einem Wochenende bin ich wieder, wie ich gerne wäre. Ein glücklicher Mensch, aufgeräumt und vollgesogen mit Leben.

Die Jungs, habe ich mir irgendwann einmal eingestanden, sind dabei das Wichtigste. Nein, ich will nichts mit ihnen anfangen. Am liebsten wäre mir, wenn sie gar nicht mitbekämen, wie ich auf meiner Decke sitze und sie anschaue. Aber das lässt sich nicht immer vermeiden. Jungs, wenn sie so sind, wie ich sie mag, haben ja ein hellwaches Sensorium für Frauen ohne Begleitung. Sie wollen, dass man sich von ihnen beeindrucken lässt. Also versuchen sie, mich zu beeindrucken.

Ich habe mich daran gewöhnt, und manchmal, wenn zu Hause etwas schief gegangen ist, schmeichelt es mir sogar. Meistens genügt es ja, die Sonnenbrille vor die Augen zu ziehen oder ein wenig Schlaf zu simulieren. Am Strand ist niemand besonders hartnäckig, auch das macht mich glücklich.

Titel: Men in Motion
Autor: Michael Reh
Verlag: Bruno Gmünder
Preis: 14,95 Euro