Das erste MalPersönliche Beichte

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„Bei einem Lunch in Lissabon habe ich mit Leuten aus einem portugiesischen Team über ein Projekt konferiert“, sagt Carolin P., eine Hotelmanagerin. „Der Unternehmensberater im Team – ein unterkühlter Typ – redete am wenigsten und nur höfliches, unpersönliches Zeug. Ich merkte mir: grüne Augen.“

Ein paar Wochen später traf man sich auf einem Kongress an der Bar beim Welcome-Drink. Wieder war er sehr reserviert, sie professionell strahlend, das verlangt ihr Job, und „überhaupt nicht darauf vorbereitet, was das Schicksal an diesem Abend mit mir vorhatte“.

„Kein Gedanke daran, ob meine Brüste perfekt sind“

Irgendwann stand er neben ihr und sagte leise: „Ich habe dich beobachtet, seit der ersten Minute. Du bringst mich um den Verstand. Ich will dich sehen, wenn du die Beherrschung verlierst.“ Einen Wimpernschlag später hörte sie sich sagen: „Wir sollten allein sein. Bald.“ Bis heute kann sie nicht erklären, warum sie das gesagt hat, statt ihn abzuservieren wie all die anderen. „Ich war mit meinem Freund glücklich. Seitensprung war nie ein Thema. Denn der Sex mit meinem Freund war auch klasse. Aber ich kann nur sagen: Das war er seit neun Jahren. Vielleicht war ich reif.“ Keine Viertelstunde später lag sie in einem Hotelbett. „Das war die reine, unverstellte Begierde. Kein Gedanke, ob meine Brüste perfekt oder meine Beine rasiert sind. Keine einstudierten Tricks und Sprüche, sondern das limbische System ungehindert bei der Arbeit. Pure Wildheit, null Reflexion. Ich habe zum ersten Mal erlebt, wie sich reines Verlangen anfühlt, ich kapiere Männer jetzt viel besser. Jede unserer Zellen hat den anderen so sehr gewollt, als wäre das Universum nur vollständig, wenn wir miteinander schlafen. Ok, wir konnten auch gut miteinander reden, er mochte meine Witze, ich seinen Stoizismus. Das war aber intellektuelle Nebensache.“

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