Bisexuell... oder erster Schritt zur Konvertierung?

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Samstags wäscht er seinen silbernen Golf, meistens trägt er Jeans, er hat kurze braune Haare und einen Ziegenbart. Martin ist der ganz normale, moderne Familienvater. Was niemand weiß: Zwei Straßen weiter wohnt Martins „fester Freund“ Rüdiger.

Sie sehen sich nach Feierabend oder am Wochenende. Martin lügt dann, er müsse zur Fortbildung beim Roten Kreuz, er hat sich dafür extra in seiner Firma freiwillig als Erste-Hilfe-Beauftragter gemeldet. Seine Frau hält den netten Rüdiger, der oft zum Kaffee vorbeikommt, für einen Stammtischkumpel. Martin glaubt, sich irgendwann von seiner Frau zu trennen und dann ganz zu Rüdiger zu ziehen.

Sie hat davon keine Ahnung. Wie sollte sie? Zu ihr ist Martin wie immer. Er nimmt sich von beiden Seiten, was er braucht: auf der einen Seite Familie und Feierabendbier, auf der anderen Männerleidenschaft und geheimes Prickeln. Doch Martin glaubt: „Vielleicht bin ich in die Ehe reingerutscht. Ich kannte ja nichts anderes damals. Rüdiger ist jedenfalls mein Traumpartner. Das geht weit über eine Fick-Beziehung hinaus.“ Was Martin von dieser Partnerschaft erwartet, ist ihm auch klar: „Ehrlichkeit!“ Sicher würde seine Frau ähnlich antworten …

Bis zu 75 Prozent aller bisexuellen Männer verheimlichen ihre Neigung vor ihrer Frau“, so Dr. Lynda Doll von den angesehenen „Centers for Disease Control and Prevention“ in Atlanta. „Wenn diese Männer keinen Safer Sex praktizieren, handeln sie unverantwortlich. Ungefähr 14 Prozent aller HIV-Infizierten geben an, bisexuelle Kontakte gehabt zu haben. Frauen gehen ein enormes Risiko ein – und wissen es überhaupt nicht.“