BisexuellDie neue Sexualität

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Prominente wie Til Schweiger oder David Beckham leben vor, dass nichts dabei ist, auch mal mit dem Kumpel zu kuscheln. Selbst im Hauptabendprogramm ermittelt in der Sat.1-Serie „Mit Herz und Handschellen“ ein schwuler Kommissar. Keine Frage: Homosexuelle sind weitestgehend akzeptiert – und Heteromänner müssen immer weniger Angst davor haben, sich ihren Trieben gegenüber dem eigenen Geschlecht hinzugeben.

Dass daran aber auch Männerfreundschaften kaputt gehen können, weiß BWL-Student Mike, 24, aus Stuttgart. Er hat einen muskulösen Körper, Dreitagebart, dunkle Haare und ist der Beste in seinem Semester. „Ich kann jede haben“, behauptet er – und hat damit wahrscheinlich sogar Recht.

Ende März verabredet er sich mit einem Freund aus der Basketballmannschaft zu einem gemütlichen DVD-Abend. Sie trinken Bier und schauen „Fight Club“ mit Brad Pitt. Während des Films fängt Mikes Freund plötzlich an, sich die Hose zu öffnen. Mike spürt, wie ihn das erregt. Er zieht seine Jeans auch aus, die beiden küssen und befummeln sich – und kommen gleichzeitig. „Einfach geil und hemmungslos. Es hatte was von einer Rangelei.“ Hinterher ist ihnen der Zwischenfall peinlich, Mikes Kumpel zieht sich schnell an, geht grußlos. Seitdem haben sie nie mehr miteinander gesprochen. Mike ist immer noch verwirrt: Will ich wirklich einen Mann?

Am Wochenende war Mike zum indischen Abend bei einer Verehrerin eingeladen. Sie trug einen Sari und setzte ihm einen Turban auf. Süß. Nach dem Chicken-Curry schliefen sie miteinander. Als er nachts neben ihr lag, fragte er sich, ob er nicht doch lieber den einfacheren Weg gehen und die indische Maus zur Freundin nehmen sollte. Doch kaum war er wieder zu Hause, loggte er sich in einen Chat mit Jungs ein. „Es ist eine Sucht“, gibt er zu – und ist peinlich berührt, wenn er während des Gay-Chats eine SMS von der indischen Maus bekommt: „Danke für den romantischen Abend. Mag dich.“