BisexuellTrotzdem hetero?

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Ein Outing, bildet Dirk sich ein, könnte er sich nicht leisten, weil er neben seiner Familie auch das Ansehen im Berufs- und Gesellschaftsleben verlieren könnte. Andererseits hat er überhaupt keine Probleme damit, mit Claas im Hotel oder Restaurant gesehen zu werden. „Bei mir kommt keiner drauf, dass ich Sex mit ihm habe. Claas stelle ich als Freund oder Kollegen vor.“ Seine private Telefonnummer hat er dem Lover nicht gegeben. „Mir ist lieber, wenn ich ihn anrufe.“
Wie es mit der Affäre weitergeht, weiß Dirk nicht. „Die Lust auf den anderen wird immer größer!“ Dennoch macht er seine Begierde an Claas als Person fest – nicht an der Tatsache, dass er ein Mann ist. Und klammert sich deshalb an den Satz: „Ich bleibe heterosexuell!“

Das sagen die meisten. Bei einer repräsentativen Studie über das sexuelle Verhalten der Bundesbürger gaben gerade mal 3,4 Prozent der befragten Männer zu, bisexuell zu sein. Dabei gehen Experten davon aus, dass 10 bis 20 Prozent der Bevölkerung bisexuell sind. Der legendäre Kinsey Report stellte sogar die provokante These auf, 46 Prozent aller Menschen hätten bisexuelle Neigungen – mitgezählt wurden dabei allerdings auch einmalige homoerotische Erfahrungen sowie sexuelle Phantasien.

Die Hemmschwelle, diesen Neigungen nachzugeben, sinkt rapide. Nach Feierabend sind die Chatrooms im Internet überfüllt. Allein bei www.gaychat.de surfen über 250000 registrierte User. „Drei Viertel davon sind bisexuell“, glaubt ein Branchen-Insider. Hier können sich Neugierige unerkannt informieren und feststellen, dass es genügend Gleichgesinnte gibt. Täglich werden so tausende Sex-Dates ausgemacht, Verabredungen getroffen oder Adressen ausgetauscht, die als Homo-Treffpunkte bekannt sind.