Frauen mit 45Entspannt leben

Wie es ist, ...

... eine 44-Jährige zu lieben, willst du wissen. Wie es sich anfühlt, nach all den Jahren. Ob ich nicht etwas vermisse. Und warum ich es immer noch aushalte mit dir. Ich weiß auch nicht. Ich liebe dich einfach. Und über dein Alter habe ich noch nie nachgedacht. Höchstens, wenn ich dich mit deinen Rückenschmerzen aufgezogen habe. Oder damit, dass du die älteste Frau bist, mit der ich je geschlafen habe. Weißt schon: Wenn du empört guckst, habe ich dich schon immer besonders sexy gefunden.

Die Wahrheit lautet: Es fühlt sich besser an als vor zehn Jahren, und damals hat es sich schon unverdient großartig angefühlt. Aber vor zwei, drei Jahren, so genau habe ich es anfangs gar nicht mitbekommen, bist du zu dem Menschen geworden, der immer schon in dir gesteckt hat. Eine rundherum großartige Person, blitzgescheit, schlagfertig, neugierig, warmherzig, witzig und entspannt. Keine, die sich noch viel beweisen muss. Sondern jemand, der sich zu seinem eigenen Erstaunen mit sich selbst versöhnt hat.

Du hast endlich damit aufgehört, dich nicht zu mögen. Ich kann mich ja noch gut an diese Orgien der Selbstzerfleischung erinnern, die du früher periodisch veranstaltet hast und die mich ratlos gemacht haben. Dass das alles – der Job, die Stadt, das Leben – nicht mehr so weitergehen kann. Dass du doch einmal jemand warst, der in New York leben, die Welt sehen, nie eine Angestelltenexistenz führen wollte. Wenigstens hast du nie mich in Frage gestellt. Sonst aber alles. Jetzt nicht mehr. Endlich rumort in dir nicht mehr der Mangel. Du bist angekommen in dir. Und du musstest dich nicht einmal verbiegen dafür.

Die Sicherheit, ...

... mit der du jetzt weißt, was dir gut tut. Deine Power-Yoga-Wochenenden. Das Rudern zweimal in der Woche. Deine Solo-Trips an die Ostsee, wenn du wieder einmal merkst, dass du Strand, Wind und Alleinsein brauchst. Und deine Lebens-To-do-Listen, die nicht mehr so panisch klingen wie noch vor ein paar Jahren, sondern ganz sachlich nach einem Glücks-Masterplan: ein Marathon. Nepal. Ein Haus irgendwo mit Blick aufs Meer und Bergen im Rücken. Und ein schottischer Windhund, mit dem du um die Wette rennen kannst. Das Verrückteste dabei ist: Ich trau dir das alles zu, jeden einzelnen Punkt der Liste.

Es ist so schön, dir beim Genießenkönnen zuzusehen. Dass du es endlich geschafft hast, pappsatt vor Zufriedenheit strahlen zu können, wenn eine Landschaft, ein Morgen auf der Alster, eine Sommernacht, ein Abendessen, eine Party gut sind. Oder eine Liebesnacht. Seltsam eigentlich, dass man mehr Dinge toll finden kann, wenn man älter wird – man bildet sich ja immer ein, es müsse umgekehrt sein, man würde vor lauter Abgeklärtheit immer begeisterungsunfähiger werden. Stattdessen wird man immer wacher. Du jedenfalls.

Falls das ...

.. jetzt gar zu sehr nach Weisheit des Alters klingt: Keine Sorge, lustigerweise bist du in den letzten zwei, drei Jahren auch viel jünger geworden. Alberner. Mehr scheißdrauf. Die Killer-Stilettos, die du jetzt plötzlich trägst und die dir mit 35 noch dämlich vorgekommen wären; diese Top-Shop-Klamotten aus London, die sich sonst ja nur 20-Jährige zutrauen. Die HipHop-Stücke, die du dir plötzlich auf deinen iPod ziehst, nachdem du jahrelang nur Bach-Cellosuiten und ChetBaker-Sentimentalitäten gehört hast. Und diese glucksenden Nächte mit mir.

Es ist, als hättest du beschlossen, nicht mehr auf deinen guten Ruf achten zu müssen – nicht einmal mehr vor dir selbst. Dämlich irgendwie, dass man nicht früher drauf gekommen ist, wie entspannt man sein kann, ohne dass einem dabei Schlimmes passiert. Fünf Jahre hast du noch, dann bist du endlich raus aus der anzeigenrelevanten Zielgruppe der 14- bis 49-Jährigen. Niemand, der dir noch etwas verkaufen will. Niemand, dem du noch etwas verkaufen musst. Endlich nur noch man selbst sein können. Ich freue mich drauf.

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