Liebe & Leben Mut zur Nacktheit

 

Was, wenn eine Deutschtürkin ihre sexuelle Freiheit öffentlich lebt? Reaktionen auf Sila Sahins Playboy-Cover und wie es einer türkischen Erotikbuchautorin erging.
Text: Veronika Schaller
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Eine Serien-Darstellerin zieht sich für den Playboy aus – das wäre eine Meldung ohne Skandalfaktor, würde es sich nicht um die erste Deutschtürkin auf dem Magazincover handeln.

Sila Sahins Herkunft und die Äußerung, sie wolle sich von den kulturellen Zwängen ihrer Kindheit befreien, verleihen der Nacktheit Brisanz. Wie würden konservative Muslime reagieren, zumal die 25-jährige nicht einmal ihren Eltern von dem Shooting erzählt hatte?

Auf der Facebook-Seite der Schauspielerin diskutieren ihre Fans kontrovers. Die hunderten Kommentare reichen von „Ich bewundere ihre Tat, was sie als Türkin gewagt hat“ und „Tolle Fotos, tolle Frau“, bis hin zu „Ehrlos“ und „Schande“.

Andere verurteilen die Botschaft Sila Sahins. „Was mich als Türkin stört, ist wie sie die Türken dargestellt hat“, ist da zu lesen oder „Als Türkin muss man sich nicht ausziehen, um befreit zu sein“.
Auch Vornamensvetterin Sila Sönmez musste derartige Kommentare über sich im Internet lesen. Denn die türkischstämmige 26-Jährige hatte im Oktober 2010 ihren Debütroman „Das Ghetto-Sex-Tagebuch“ herausgebracht – über eine Türkin, die sexuelle Tabus auslebt.

Aber anonyme Beleidigungen in Foren nahm sie sich nicht zu Herzen. „Dinge wie ´Du Hure beleidigst unseren Glauben´ schreiben nur einzelne Spinner, die nicht repräsentativ für die türkische Minderheit in Deutschland stehen“, sagt Sila Sönmez: „Man weiß ja nicht einmal, ob sich dahinter wirklich ein Türke verbirgt.“ Persönlich oder über den Verlag sei sie nie angegriffen worden.

Von dem Playboy-Shooting Sila Sahins zeigt sich die Autorin trotzdem nicht vollkommen begeistert: „Dass sie macht worauf sie Lust hat, ist gut. Doch für mich rutscht sie von einem gesellschaftlichen Zwang in den nächsten, wird zum Barbie-Schönheits-Objekt“.
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Tuncay Acar hält das Playboy-Cover ebenfalls nicht für einen großen Aufreger. Als Projektleiter der Veranstaltungsreihe „Byzantion Reloaded“ arbeitet er für den türkisch-deutschen Kulturaustausch. Seine Begründung: „Die türkische Gemeinde ist einiges gewöhnt, beispielsweise von Sibel Kekili, die zuerst Pornofilme drehte und später den deutschen Filmpreis gewonnen hat.“

Er fügt hinzu: „Sila Sahin vermarktet sich mit dieser Masche. Schwierig wird es vielleicht für ihre Familie wenn sie sehr konservativ ist. Das kann aber genauso gut einer Katholikin aus einem kleinen Dorf passieren.“

Auch Mahmout Askar, Pressesprecher der „Union der Türkisch-Islamischen Kulturvereine in Europa e.V.“ (ATIB) sieht die Angelegenheit locker: „Ich habe gestern erst von einem Freund davon erfahren und es ist mir wirklich egal. Ob sie sich auszieht oder nicht, ist ihre eigene Entscheidung. Tausende Türkinnen haben sich schon für Zeitschriften ausgezogen. Warum deutsche Medien um diese so einen Wind machen, verstehe ich nicht.“
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