Interview mit Collien Ulmen-Fernandes„Wir genießen die Familienzeiten sehr“

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Collien Ulmen-Fernandes und Christian Ulmen 2011 in Karlsruhe.
Haben Sie Unterstützung bei der Kinderbetreuung. Eine Nanny?

Ja. Wenn ich aber einen Film drehe, mit dem ich von sechs Uhr morgens bis 21 Uhr abends beschäftigt bin, schläft mein Kind in der Früh, wenn ich losgehe. Und wenn ich abends zurückkomme, dann schläft es wieder. Ich würde mein Kind also nur schlafend sehen. Ich habe schon von Kollegen gehört, die ihr Kind zum Set in den Wohnwagen mitnehmen. Aber ich möchte nicht, dass mein Kind den ganzen Tag in einem Wohnwagen rumsitzt. Ich wäre die ganze Zeit über mit meinen Gedanken bei meinem Kind im Wohnwagen. Es ist schwer, eine Ideal-Lösung zu finden.

Machen Sie sich selbst ein schlechtes Gewissen?

Andere machen einem ein schlechtes Gewissen! Ich musste mir in der Vergangenheit von einigen Übermüttern anhören: „Was? Dein Kind ist noch nicht einmal ein Jahr alt und du lässt es alleine?“ Dann dachte natürlich schnell: „Oh Gott, bin ich jetzt eine Rabenmutter?“

Aber es gibt sicherlich auch wieder Zeiten, in denen Sie als Schauspielerin und Moderatorin frei haben.

Wir gehören nicht zu denjenigen, die sich viel frei nehmen. Man muss das können. Viele Schauspieler machen ein Projekt und hängen danach erst einmal eine Weile rum. Wir sind beide nicht so gut im Nichtstun.

Montag hatte ich ein Foto-Shooting für eine Frauenzeitschrift, am Dienstag habe ich ein Musikvideo gedreht. Mittwoch hatte ich einen Interviewtag. Ich nehme mir jeden Tag etwas vor. Wenn ich nicht drehe, bereite ich mich auf Castings vor. Und wenn ich zu Hause ist, steht die Büroarbeit an. Es gibt eigentlich keine Phase, in der ich das Gefühl habe, dass jetzt Ruhe einkehrt.

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Sie und Ihr Mann sind beide sehr beschäftigt. Wann sehen Sie sich?

Ich finde es am Schönsten, wenn alle zum Dreh mitkommen. Als wir beispielsweise für die „Cartoon Network Spurensuche“ gedreht haben, waren Mann, Kind und Stiefkind alle mit dabei. Es gibt nichts Schöneres, als abends nach Hause zu kommen und alle um sich zu haben. Es ist toll, wenn die Familie mitkommt. Aber es passt eben nicht immer.

Manchmal muss ich auch im Kopf nur beim Film sein und mich voll und ganz auf die Dreharbeiten konzentrieren.

Wie bekommen Sie und Ihr Mann das gemeinsame Privatleben hin?

Ich glaube, dass es leichter wäre, wenn nur einer von uns diesen Beruf hätte, in dem man mal hier ist und mal dort und nie den gleichen Arbeitsablauf hat. Wenn einer von uns einen beständigen Job hätte, mit  9 bis 17 Uhr im Büro, wäre es wahrscheinlich leichter zu koordinieren. Denn wenn der eine nach Honolulu zum Drehen fährt, dann könnte sich derjenige, der zu Hause ist, um das Kind kümmern. Und es zur Schule bringen und wieder abholen. Bei uns hingegen ist es so: „Ich drehe in München, du in Frankfurt. Was machen wir mit dem Kind?“ Es ist immer was los. Bei uns ist immer Aufbruch. Zeitpläne müssen abgeglichen werden. Das ist auch anstrengend.

In der Sendung erzählen Sie, dass Sie keine Freunde haben. Müssen wir uns Sorgen machen?

Für mich kommt die Familie an erster Stelle. Wenn ich länger weg war, will ich zu Hause natürlich erst einmal Zeit mit Mann und Kind verbringen. Und zwar nur mit Mann und Kind. Und nicht mit Mann und Kind und einigen Freundinnen und deren Männern und Kindern. Wir wollen erst einmal für sich Familie sein. Und wenn wir dann ein bisschen Familie waren, geht es in der Regel schon mit der Arbeit weiter. Wir genießen die Familienzeiten sehr - und wollen gar nicht, dass andere Leute mit dabei sind.

Es kommt selten vor, dass ich mich mit Freundinnen treffe. Mein Mann und ich sind beide eher Einzelgänger. Bei meinem Mann ist es sogar noch extremer. Hin und wieder sehen wir aber auch unsere Freunde. Ich einmal im Jahr, mein Mann alle drei Jahre.

 

Zerrissen zwischen Familie, Fürstinnenrolle und Faible fürs Schauspiel war auch Grace Kelly. Der Trailer zu Nicole Kidman in „Grace of Monaco“:
Video / 2:16 Min. / SquareOne/Universum

Wenn Nicole Kidman als Grace Kelly auftritt, halten die Monegassen den Atem an. Sie haben Angst ums Image. Auf dem Festival in Cannes feierte „Grace of Monaco“ als Eröffnungsfilm Weltpremiere. Der Trailer.


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