Interview mit dem „Playboy“-Chefredakteur„Silikon ist heute nicht nur zum Abdichten da“

von AMICA Online Redakteurin
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© Sacha Höchstetter für Playboy Juli 2012
Daniela Sudau schaffte es zum Playmate des Jahres 2011.

Der deutsche „Playboy“ war der erste außerhalb der USA. Seit 40 Jahren beglückt er die Männer des Landes – vor allem mit erotischen Bildern. Was früher neu und skandalös war, schockiert heute kaum jemanden mehr. Aber im Heft geht es, wie früher, noch um „Alles, was Männern Spaß macht“. Und manchmal breche das Magazin doch noch Tabus, so Florian Boitin. Welche das sind und wie sich Schönheitsideale und Darstellung der Frauen verändert haben, erklärt der „Playboy“-Chefredakteur im Interview mit AMICA Online.

AMICA Online: Herr Boitin, wie hat sich die Ästhetik der Nacktfotos über die Jahre verändert?
Florian Boitin: Vor allem Schönheitsideale haben sich weltweit gewandelt. Ich spiele auf die veränderten Frisurentrends in den Schamregionen an. Und Silikon ist heute ja auch nicht mehr nur zum Abdichten da …

© Playboy
'Playboy“-Chefredakteur Florian Boitin

Trägt der „Playboy“ daran eine Mitschuld?
Nein, diese globale Entwicklung kann man dem „Playboy“ wirklich nicht anlasten. Playmates, also den unbekannten Schönheiten von nebenan, nähern wir uns wie 1972: aus der Sicht des Verführers und Bewunderers. Für uns ist die Frau das Schönste, was die Welt zu bieten hat.

Das heißt, die Fotos sind nicht „billiger“ geworden?
Genau. Der Qualitätsanspruch hat sich in 40 Jahren nicht geändert. Für unsere Fotoproduktionen arbeiten wir mit berühmten Fotografen zusammen – wie mit Karl Lagerfeld, der im letzten Frühjahr Natalia Wörner für das Cover ablichtete.

Playmates wurden in der Vergangenheit, wie erwähnt, immer haarloser. Wird sich dieser Trend fortsetzen?
Weniger scheint heute wirklich mehr. Aber die Erfahrung auch in anderen Bereichen zeigt: Jeder Trend erzeugt wieder einen Gegentrend. Wir dürfen uns also auf haarigere Zeiten freuen.

© Greg Gorman für Playboy
Uschi Obermaier zog sich 1996 für den Playboy aus.

Welche Frauen finden Männer heute sexy – im Vergleich zu früher?
Auch dies hat sich aus meiner Sicht kaum verändert. Unsere Leser mögen wie damals natürliche, starke, schöne Frauen, mit positiver Ausstrahlung und verlockenden weiblichen Rundungen.

Unsere Gesellschaft wird häufig als übersexualisiert bezeichnet. Sehen auch Sie diese Entwicklung?
Woran will man diese These festmachen? Ich denke, dass Sex und Erotik schon immer eine große Triebfeder des Menschen und der Gesellschaft waren. Um das zu erkennen reicht ein Blick in die Kunstgeschichte. Der große Maler Peter Paul Rubens ist zum Beispiel weniger für seine Stillleben bekannt, als vielmehr für seine wollüstigen Frauenakte.

© Max-Elmar Wischmeyer für Playboy
Sie war die erste Deutsch-Türkin auf dem deutschen „Playboy“: „GZSZ“-Darstellerin Sila Sahin

In Zeiten von allgegenwärtiger Sexualität kann der „Playboy“ mit Fotos kaum noch Tabus brechen. Wo liegt seine Nische?
Obwohl Nacktheit keinen Tabubruch mehr darstellt, polarisiert der „Playboy“ häufig noch. Denken Sie an die Schauspielerin Sila Sahin, die erste Deutsch-Türkin auf einem deutschen „Playboy“-Cover. Das sorgte letzten Sommer für Wirbel. Und es geht heute in erster Linie um Exklusivität. Es spielt somit bei „Playboy“ weniger eine Rolle, „was“ zu sehen ist, als „wer“ und „wie“. Hinzu kommt ein unterhaltsamer Themenmix mit Reportagen und Interviews.

Wie werden Erotikfotos in Zukunft aussehen? Könnten Sie sich zum Beispiel eine Strecke ohne Retusche vorstellen?
Grundsätzlich werden heute alle Fotos bearbeitet, selbst die von Hobbyfotografen. Dennoch gehen wir sehr zurückhaltend mit den digitalen Möglichkeiten um. Unsere Leser schätzen schließlich den „Playboy“ in erster Linie dafür, dass wir Fotos drucken und keine Illustrationen.

Welches ist Ihr Lieblings-Playmate aller Zeiten und warum?
Privat habe ich mein „Lifetime-Playmate“ bereits gefunden (lacht). Aus professioneller Sicht aber ist das Pamela Anderson. Mit dreizehn US-Playboy-Titeln ist sie das erfolgreichste Playmate aller Zeiten und zum Weltstar geworden.

Welchen Star hätten Sie gerne noch nackt auf dem Cover und warum?
Ach, da kennt meine Fantasie kaum Grenzen. Und an schönen sowie interessanten Frauen mangelt es auch nicht. Lassen Sie sich überraschen …