Land der WidersprücheIntimseife, kurze Röcke und Amen

Italien ist ein Land der Widersprüche: Vor zehn Jahren musste ich noch 10 000 Lire Strafe wegen Fahrradfahrens mit zu kurzem Rock zahlen. Aber selbst in als seriös geltenden TV-Shows wiegen fast nackte Mädchen ihre Brüste im Takt der Musik.

Die Mehrzahl der Italiener hat ihren Vater niemals nackt gesehen, gleichzeitig gibt es hunderte Sorten Intimseife (für Sündenreinheit). Fast jeder behauptet, gläubiger Anhänger der katholischen Kirche zu sein, aber Kondomautomaten hingen schon an jeder Ecke, als an Zigarettenautomaten niemand auch nur im Traum dachte. Kurz: Italien ist durch und durch bigott.

Im Hinterkopf eines Italieners sitzt nicht nur ein Mini-Papa-Ratzinger. Eine Instanz ist noch unnachgiebiger im Kampf um das Seelenwohl eines Mannes – seine Mutter. Als meine Freundin sich mit einem Italiener verlobte, tat la mamma beim Antrittsbesuch, was sie immer tat: Sie kochte für ihren Jungen, seufzte, dass er blass aussähe, und strich ihm zärtlich übers Haar. Dann zwang sie die Verlobten, getrennt zu nächtigen. Zur Kontrolle schlich sie über die Gänge, um das Paar von schrecklichen Fehlern abzuhalten.

Italienische Männer haben es nicht leicht. Für den Vatikan müssen sie die Moral aufrechterhalten, für die Mutter sollen sie liebe ragazzi spielen, und dann werden ihnen von allen Seiten Brüste entgegengestreckt. Ganz schön gemein. Ihren Ruf als legendäre Latin Lover verdienen sie natürlich trotzdem. Weil man sich mit ihnen einfach viel zu prächtig amüsiert.

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Intimseife, kurze Röcke und Amen