2. Chuzpe Die haben Nerven!
Als der US-Biologe Craig Venter sieben Jahre alt war, lieferte er sich auf seinem Fahrrad mit den Flugzeugen des San-Francisco-Flughafens Rennen, wenn sie abhoben. Die Piloten drohten dem kleinen Craig mit der Faust, während die Passagiere entsetzt zusahen.
Craig Venter wurde erwachsen, der böse Bube der Wissenschaft, der 1998 verkündete, das menschliche Erbgut auf eigene Faust entschlüsseln zu wollen. Seine Kollegen vom öffentlich finanzierten Human Genome Project könnten sich doch weiterhin mit der Sequenzierung von Mäusen nützlich machen. Am 6. 4. 2000 gibt Venter die Entschlüsselung des menschlichen Erbguts bekannt. Diesmal hatte er das Rennen gewonnen: Craig Venter gilt, so umstritten er als Person ist, weltweit als der bedeutendste und genialste Genetiker: der einzige Biotech-Megastar.
Fast jede Branche hat einen solchen Star, der, so der US-Neurowissenschaftler Solomon Snyder, „das Prinzip der Dreistigkeit“ personifiziert: einen Pionier, der die Frechheit besitzt, sich über Konventionen hinwegzusetzen. Diese Chuzpe fesselt und macht uns fassungslos, weil sie so offen unsere eigenen konformistischen Tendenzen offenbart.
Jochen Zeitz bewies Chuzpe, als er mit 30 Jahren ohne Krawatte als Puma-Chef antrat, um aus einem muffigen Wühltisch-Turnschuh eine hippe Lifestylemarke zu machen. Er halbierte die Belegschaft, engagierte Trendscouts, kooperierte mit Models, der Formel 1 und Rappern, inszenierte sich gegenüber der Weltkonkurrenz als aggressiver Underdog. Mit Erfolg – und der macht den Unterschied.
„Es geht nicht nur darum, eine originelle Idee zu haben, sondern auch die Erkenntnis, dass diese Idee wirklich wichtig ist“, erklärt Snyder.
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Steve Jobs
Weiteres Kennzeichen der Enfants terribles: Sie hatten es nicht leicht. Jobs, von seinen Anhängern gern „His Steveness“ genannt“, wurde als Kind zur Adoption freigegeben, musste sich ein Hochschulstudium erkämpfen, wurde aus seinem eigenen Unternehmen rausgeschmissen. Charisma-Forscher sprechen hier von traumatischen Lebenserfahrungen, die jemanden zwingen, Grenzen zu überschreiten. Insofern dienen Niederlagen durchaus dem eigenen Glamour: Sie stärken Mut, Dreistigkeit und Risikofreude.
„Stay hungry, stay foolish!“, rief der Apple-Boss und iPod-Erfinder vor wenigen Wochen seinen Studenten zu. Da hatte er gerade eine Krebsbehandlung hinter sich
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