3. ÜberschwangDie Lebenslustigen

Wie schafft es Verona Pooth, einen Saal voller Zuhörer, die alle gewillt sind, sie dumm und billig zu finden, nach ein paar Minuten für sich einzunehmen?

Wie gelang es Heidi Klum, bergisch-gladbach-bieder, mit einem einzigen Jodler in der David-Letterman-Show einen völlig neuen Typus des Topmodels zu erschaffen? Schönheit? Ja, hilft, haben andere aber auch. Nein, Klum und Pooth sind echte Stimmungskanonen, mit der Betonung auf echt. Lebensfreude – „joie de vivre“ – ist der dritte der X-Faktoren der „shiny, magic people“.

Menschen mit Lebenslust sind wie aufziehbare Spielzeuge, die nie ausleiern. Es macht großes Vergnügen, mit ihnen zusammen zu sein, denn sie verschenken gute Laune. Positives Denken ist lernbar. Mit leidenschaftlichem Überschwang wird man geboren. Begeisterung, gepaart mit emotionaler Sensibilität, lässt sich schon bei Babys im Alter von vier Monaten erkennen, so Nathan Fox, Psychologe an der Universität von Maryland.

Als er das Temperament von Säuglingen erforschte, bemerkte er, dass etwa 10 Prozent seiner winzigen Probanden bei neuen Sachen oder Menschen extrem aufgeregt wurden. Fröhlichkeit und gute Laune wirken immer ansteckend, doch Überschwang hat auf Mitmenschen noch eine ganz andere, wundervolle Wirkung: Er lässt sie die Bandbreite ihrer eigenen Möglichkeiten erkennen. Die Pupillen werden größer, der Blick dafür, wie schön das eigene Leben ist, unverstellter. Natürlich wird sich über die Leichtigkeit derer, die durchs Leben hopsen, oft lustig gemacht. Wissenschaftlichen Augen hält das Vorurteil von der Oberflächlichkeit nicht stand.

Die amerikanische Psychologin Kay Redfield Jamison vermutet Neid hinter der Neigung, diese Lebenshaltung zu trivialisieren: „Zweifellos gibt es überschwängliche Menschen, die leer sind. Ich halte es aber für einen Fehler zu glauben, dass Menschen mit großem Enthusiasmus die Komplexität des Lebens nicht begriffen hätten.“