SinglesKupplungs-Schäden

Text: Katharina von der Leyen
© Stockbyte

Für meine Freundin Eva ist das Single-Dasein unerträglich. Zum Glück ist sie verheiratet. Dass ich allein bin, macht ihr das Leben schwer.

Wann immer ich beiläufig erzähle, dass ich mich mit irgendeinem Mann nett unterhalten habe, und sei es nur der Taxifahrer, horcht sie auf: „Und? Wäre der nichts für dich?“ Unter Einsatz eines Großteils ihrer Zeit versucht sie ständig, mich an den Mann zu bringen.

Sobald sie einen potenziellen Partner erspäht, der nach Maßstäben, die nur sie allein kennt, zu mir passen könnte, wird sie fieberhaft tätig, besorgt Telefonnummern, arrangiert Abendessen und macht praktische Vorschläge bei der Auswahl der Kleidung.

Sie meint es natürlich nur gut: Es ist eine Art Helfersyndrom. Grundsätzlich kann ich den Reiz des Matchmakings sogar verstehen. Ich mache das auf meine Weise sehr erfolgreich mit Hunden, die ein neues Zuhause suchen. Ich habe aber schon ein Zuhause.

Die Motive aber sind dabei ähnlich: Ich vermittle am liebsten Hunde, die ich gern selbst behielte. Das heißt: Für die Kupplerinnen, denen die romantische Spannung im eigenen Leben fehlt, soll bitte ich mich stellvertretend verlieben. Sie betrachten die Partnersuche für ihre Single-Freunde als eine Art privates Charity-Projekt.

Was den romantischen Faktor angeht, sind sie nicht zimperlich, und es macht ihnen auch nichts aus, wenn diese Kuppeleien schiefgehen: Where there’s shame, there’s excitement – Hauptsache, es gibt hinterher etwas zu besprechen. Und sie müssen es ja auch nicht durchmachen.

Ich habe die schrecklichsten, zähesten Gespräche erlebt mit Männern, die andere sorgfältig für mich ausgesucht hatten. Weil ich als Tierfreund gelte, wird jeder Mann, der sich nur ansatzweise für Tiere oder ähnliches interessiert, ohne Zögern in meine Richtung geschickt: Zoodirektoren a. D., Landtierärzte, einsame Schlossbesitzer mit sozial gestörten Jagdhunden, Amöbenforscher.

Wenn Sie es selbst nicht erlebt haben, machen Sie sich keine Vorstellung von der Tortur solcher Abende, während derer man ständig doppelte Espressi bestellt, um nicht vor lauter Langeweile kopfüber in die Suppe zu fallen, und vor lauter Verzweiflung sexuelle Phantasien entwickelt, in denen der Kellner vorkommt.

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