Liebe & Sex Die Antibabypille

 

Vor 50 Jahren bedeutete die Pille sexuelle Revolution, heute ist sie die gängigste Verhütungsmethode. Zum Jubiläum beantwortet ein Frauenarzt die wichtigsten medizinischen Fragen.
Text: Veronika Schaller
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Selbstbestimmung und Freiheit bekamen die Frauen vor 50 Jahren zum ersten Mal auf Rezept. Denn am 1. Juni 1961 brachte die Berliner Schering AG die Antibabypille nach Deutschland. Von dem Physiologen Gregory Pincus in Boston entwickelt, befeuerte sie Ende der 60er-Jahre die sexuelle Revolution.

Heute ist die Pille in Deutschland die beliebteste aller Verhütungsmethoden. 53 Prozent von 1000 Befragten vertrauen darauf, wie eine aktuelle Umfrage der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung ergab.

Aber was macht sie mit dem Körper? Wann ist die Einnahme gefährlich und gibt es wirklich keine bessere Alternative? Die wichtigsten Fragen rund um das Thema Antibabypille, beantwortet Dr. Wolfgang Hirsch von der Frauenarztpraxis am Potsdamer Platz, Berlin:
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AMICA Online: Wie wirkt die Pille?
Dr. Wolfgang Hirsch: Mit Hilfe der weiblichen Geschlechtshormone Östrogen und Gestagen täuscht sie dem Körper eine Schwangerschaft vor, das Reifen der Eizelle wird verhindert. Außerdem ändert sie die Gebärmutterschleimhaut, sowie den Schleim im Gebärmutterhalskanal.

Wie sicher ist die Pille?
Mit einem Pearl-Index von 0,1 bis 0,9 gehört sie zu den sichersten Verhütungsmitteln. Der Pearl-Index gibt die Anzahl der Schwangerschaften pro 100 Frauen an, die die Verhütungsmethode in einem Jahr anwenden.

Wann ist der Empfängnisschutz nicht mehr garantiert?
Wenn die letzte Einnahme mehr als 36 Stunden zurückliegt. Aber auch Antileptika und Antibiotika, sowie Erbrechen und Durchfall können die Wirkung der Pille beeinträchtigen.

Was sind Mikro- und Minipillen und sind sie ebenso sicher?
Eine Mikropille beinhaltet weniger als 0,05 Milligram Östrogen pro Tablette. Da die stärkste Dosierung heute bei 0,35 Milligram Östrogen liegt, handelt es sich bei allen Pillen um Mikropillen. Die Mini-Pille wirkt nur mit Gestagen. Hier wird zur Schwangerschaftsverhütung der Gebärmutter- und Gebärmutterhalsschleim verändert. Deshalb muss sie immer pünktlich (mit maximal dreistündiger Verspätung) eingenommen werden.

Was halten Sie von der durchgehenden Pilleneinnahme?
Grundsätzlich ist es ein 21-Tage-Rhythmus natürlicher, gegen eine drei- bis sechsmonatige Einnahme ist aber nicht viel einzuwenden. Eine Alternative, wenn Frauen etwa unter starken Regelschmerzen leiden.

Welche Nebenwirkungen gibt es?
Thrombosen und Lebererkrankungen gehören zu den schlimmsten Nebenwirkungen. Spekulationen über ein erhöhtes Krebsrisiko konnten bisher nicht bestätigt werden.

Was ist mit Depressionen?
Einige Frauen klagen tatsächlich über psychische Veränderungen, wie Stimmungsschwankungen.

Mit welchen Problemen muss ich nach Absetzen der Pille rechnen?
Es kann bis zu einem halben Jahr dauern, bis die Eierstöcke wieder funktionieren. Aber das ist kein Problem, weil die Funktionalität auch medizinisch hergestellt werden kann.
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Folgt auf die Einnahme der Pille immer eine Gewichtszunahme?
Ja, weil die Pille den Appetit anregt und den Stoffwechsel stark verändert. Von 50 Gramm bis zu 5 Kilogramm nehmen die meisten Frauen zu, wie welche Pille auf das Gewicht schlägt, kann kaum vorhergesagt werden. Obwohl Pharmafirmen mit speziellen Gestagenen werben, sind Wassereinlagerungen nie ausgeschlossen.

Welche positiven Auswirkungen kann das Einnehmen der Pille haben?
Einige Pillen wirken Hautunreinheiten entgegen, die Blutung wird schwächer und mit ihr Regelbeschwerden.

In welchen Fällen darf ich die Pille nicht nehmen?
Für Raucher besteht ein erhöhtes Thrombose-Risiko. Bei Lebererkrankungen, Blutgerinnungs- und Gefäßstörungen ist die Einnahme gefährlich.

Gibt es eine besser Alternative zur Pille?
Ich würde den Vaginalring empfehlen. Er gibt zwar die selben Hormone in den Blutkreislauf ab, wirkt aber direkt vor Ort und hat daher schwächere Nebenwirkungen. Leberprobleme fallen bei ihm sogar ganz weg.
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